ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1996Azelluläre Vierfach-Vakzine: Durchimpfung sollte zeitgerecht erfolgen

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Azelluläre Vierfach-Vakzine: Durchimpfung sollte zeitgerecht erfolgen

Petersen, Ursula

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LNSLNSLNSLNS Die Immunbegrenzung im frühen Kindesalter zu durchbrechen, das ist Ziel der Entwicklung von Impfstoffen. Dies ist besonders bei Infektionen mit Haemophilus influenzae Typ b (Hib) von Bedeutung. Nach Verschwinden der mütterlichen Leihimmunität ab dem 3. Lebensmonat und vor Erreichen der körpereigenen Immunität ab dem 3. Lebensjahr besitzen Kinder in aller Regel keinen oder nur einen unzureichenden Schutz gegen das giftige Kapselpolysaccharid des Erregers. So können bei Kindern in den ersten Lebensjahren die gefürchteten lebensbedrohlichen Hib-Infektionen wie Epiglottitis und Meningitis auftreten, wie Prof. Burkhard Schneeweiß (Berlin) auf einem Presseworkshop von SmithKline Beecham erläuterte. Mit Einführung der HibImpfung gegen Ende der 80er Jahre erfolgte eine rapide Abnahme der Haemophilus-Erkrankungen. Seit 1992 gibt es in Deutschland verschiedene Hib-Konjugat-Impfstoffe, mit denen es gelingt, durch Kopplung an andere Proteine höhere Antikörperwerte gegen Hib-Erreger zu induzieren, vor allem durch Anbindung des PRPPolysaccharids an das Tetanus-Toxoid. SmithKline Beecham hat eine neue Hib-Komponente entwickelt, die in einen Kombinationsimpfstoff integriert werden kann. Die neue Vierfach-Vakzine basiert auf dem Kombinationsimpfstoff InfanrixH DTPa, der als erste Kombinationsimpfung mit azellulärer Pertussiskomponente bereits seit März 1995 eingesetzt wird. Der neue Vierfach-impfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Hib, der bisher an mehr als 5 000 Kindern getestet wurde, erzielte, vor allem aufgrund seiner ausgezeichneten Verträglichkeit, eine positive Resonanz. Bei der Anwendung eines Kombinationsimpfstoffes wird nicht nur eine Injektion gespart, auch alle für einen Impfstoff notwendigen Begleitstoffe müssen nur einmal verabreicht werden.
Der neue Vierfach-Impfstoff wurde in klinischen Studien bereits bei Kindern ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat geprüft, da der vollständige Schutz vor Hib, ähnlich wie bei Keuchhusten, möglichst frühzeitig erreicht werden sollte. Nach den Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) wird dreimal im Abstand von einem Monat geimpft. Eine vierte Impfung findet im zweiten Lebensjahr statt. Mit dem verwendeten Impfschema ist es möglich, schon ab dem sechsten Lebensmonat einen vollständigen Schutz vor der Hib-Erkrankung aufzubauen. Bis zum Sommer soll die neue Vierfach-Impfung zur Verfügung stehen. Alle wirksamen Vakzine nützen nichts, wenn nicht die "Impfmoral" entsprechend gut ist. So treten Erkrankungen bei nur partiell geimpften Kindern auf. Eine Grundimmunisierung hat im ersten Lebensjahr stattgefunden, aber die zweite beziehungsweise die dritte Immunisierung fanden "verschoben" statt, oder Boosterimpfungen erfolgten gar nicht. Die "totale" Immunisierung, so erklärte Prof. Rüdiger von Kries (München), ist von größter Wichtigkeit. Es muß immer wieder darauf hingewiesen werden, wie wichtig die konsequente und zeitgerechte Durchimpfung ist, um eine Anzahl von Erkrankungsfällen zu vermeiden. Besonders die Impftermine für Hib und Pertussis ab vollendeter achter Lebenswoche sind strikt einzuhalten, auch wenn die Kinder "nicht ganz gesund" sind. Ein banaler Infekt, darauf wies Kries hin, ist keine Kontraindika- tion. Ursula Petersen
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