ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2018Kardiovaskuläres Risiko durch Hypertonie: Selbstmessung kombiniert mit Titration der Medikamente bessert Blutdruckkontrolle

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kardiovaskuläres Risiko durch Hypertonie: Selbstmessung kombiniert mit Titration der Medikamente bessert Blutdruckkontrolle

Dtsch Arztebl 2018; 115(16): A-763 / B-653 / C-654

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Marina Dyakonova/stock.adobe.com
Foto: Marina Dyakonova/stock.adobe.com

Bluthochdruck ist eines der bedeutendsten Risiken für Herzkreislauferkrankungen und kardiovaskuläre Sterblichkeit. In Deutschland hat fast jeder 3. Erwachsene Bluthochdruck mit > 140/90 mmHg. Von den behandelten Patienten erreicht circa jeder 4. nicht den Zielwert (1).

Das Problem mangelnder Blutdruckkontrolle haben auch andere Länder. Britische Forscher haben untersucht, ob sich mit einem strukturierten Programm die Zielwerte häufiger erreichen lassen (2). 1 182 Erwachsene, die trotz Therapie bei niedergelassenen Ärzten Werte von > 140/90 mmHg hatten, wurden in 3 Gruppen randomisiert: In der Gruppe „Selbstmonitoring“ sollten sie an jeweils 1 Tag zu Wochenbeginn morgens und abends je 2 Mal Blutdruck messen und per Post mitteilen, ob dieser nach oben oder unten relevant abwich. Die Gruppe „Telemonitoring“ kommunizierte dies per SMS und wurde eventuell zur Kontaktaufnahme mit dem Arzt aufgefordert. Über eine gesicherte Website konnten die Patienten ihr monatliches Profil einsehen. In der Standard-Gruppe erfolgte die Kontrolle persönlich beim Hausarzt.

Die Basiswerte für den systolischen Druck lagen in allen 3 Gruppen bei durchschnittlich 153 mmHg und für den diastolischen bei durchschnittlich 85–86 mmHg. Primärer Endpunkt waren die Blutdruckwerte bei ärztlicher Kontrolle nach 12 Monaten. Beim Selbstmonitoring sank der systolische Wert auf durchschnittlich 137,0 mmHg, in der Telemetrie-Gruppe auf 136,0 mmHg und im Standard-Arm auf 140,4 mmHg. Die Differenzen zwischen den Gruppen mit Selbstmessung zum Standard waren signifikant. Änderungen des Blutdrucks gab es nur, wenn eine Anpassung der Medikation erfolgt war.

Fazit: Das Selbstmonitoringprogramm bei Bluthochdruck sei einfach, preiswert und für Primärversorger umsetzbar, so die Autoren. Die Differenzen erschienen zwar gering, könnten aber das Risiko für Herzinfarkte langfristig um 10, und das für Schlaganfälle um 20 % senken. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Epidemiologisches Bulletin 5/2015; Robert Koch-Institut, Berlin 2015.
  2. McManus RJ, Mant J, Franssen M, et al.: Efficacy of self-monitored blood pressure, with or without telemonitoring, for titration of antihypertensive medication (TASMINH4). Lancet 2018; 391: 949–59.

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