ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2018Medizinstudium: Gewichtung nicht gut gewählt
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Ich frage mich, warum Medizin zu studieren eine solche Attraktivität hat. Medizin ist einer der schwersten Studiengänge. Viele der Medizinstudenten überschätzen sich. Zwar ist der Andrang zur Zulassung hoch, aber am Ende absolviert nur ein Bruchteil der Studierenden das Studium und wird zu praktizierenden Ärzten. Da muss man sich schon wundern, ob die Abiturnote ein gutes Vorhersagekriterium ist oder nicht …

Ich bin eine derjenigen, die lange warten musste. Allerdings merke ich immer wieder, dass ich nicht schlechter bin als ein Einser-Abiturient. Vor allem meine Berufserfahrungen und meine sozialen Kompetenzen geben mir viele Vorteile im klinischen Abschnitt des Studiums.

Daher sehe ich es kritisch, dass es immer noch zu einem hohen Anteil die Studienplätze nach dem Numerus clausus vergeben werden sollen. Die sehr guten Noten im Abitur werden „großzügig“ vergeben. Liegt somit die Tatsache nicht auf der Hand? Wenn früher nur ein kleiner Anteil der Abiturienten 1,0 schaffte, bringen es heute mehr als die Hälfte der Abiturienten zu einem solchen Abschluss. Sind die deutschen Schüler besser geworden? Warum schließen wir dann im nationalen Vergleich und bei der Pisa-Studie immer noch schlecht ab? Das müsste uns sehr zum Nachdenken bringen. Noten können zwar als Auswahlkriterium hinzugezogen werden, aber dann aus relevanten Fächern wie Biologie, Chemie, Physik – aber doch nicht aus Fächern wie Kunst, Sport, Geschichte.

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Die Gewichtung der geplanten Kriterien finde ich deswegen nicht gut gewählt. Berufserfahrung ist in meinen Augen viel wichtiger als eine Note auf dem Abiturzeugnis. ... Viele aus meinem Studiengang, die Berufserfahrung haben, haben es v. a. im klinischen Abschnitt des Studiums viel einfacher. Der Umgang mit Patienten fällt ihnen leichter und das spiegelt sich dann auch in der Zufriedenheit der Patienten wider.

Das neue Auswahlverfahren hat gute Ansätze, sollte allerdings noch einmal überdacht werden.

Ina Rissling, Medizinstudentin, Würzburg

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