ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2018WHO zu Wehenmitteln: Kein routinemäßiger Einsatz
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Das Deutsche Ärzteblatt hat unkommentiert eine dpa-Meldung zu den neuen WHO-Empfehlungen „Intrapartum care for a positive childbirth experience“ veröffentlicht, deren Überschrift gar nicht dem Inhalt der Empfehlungen entspricht. Die aktualisierten WHO-Empfehlungen gelten nur für gesunde Schwangere ohne Schwangerschafts- und Geburtsrisiken und wohlgemerkt dem positiven subjektiven Geburtserleben. Unter den 56 Empfehlungen beschäftigt sich nur die 30. Empfehlung mit dem Wehenmitteleinsatz. Nicht empfohlen wird der routinemäßige Einsatz von Oxytozin bei Frauen mit einer Epiduralanalgesie unter Geburt zur Prävention eines verzögerten Geburtsfortschrittes. Zur Begründung wird auf eine andere WHO-Empfehlung zur Wehenunterstützung von 2014 verwiesen, in der allerdings diese Empfehlung als von niedriger Evidenz und nur schwachen Empfehlungsstärke charakterisiert wird. Gleichzeitig wird in dieser WHO-Empfehlung von 2014 aber ausdrücklich der Einsatz von Oxytocin bei einem Geburtsstillstand empfohlen. Die WHO kritisiert also nicht undifferenziert den Oxytozineinsatz, wenn der medizinisch begründet ist.

Ähnliches gilt für die Überwachung der fetalen Herztöne mittels Kardiotokografie unter der aktiven Geburt. Aufgrund einer nicht ausreichenden Studienlage wird in einem kontroversen Abstimmungsvotum keine Empfehlung ausgesprochen, weil vor allem die technischen Ressourcen in den Entwicklungsländern dafür nicht vorhanden seien, obwohl die aufgeführten Studien klar zeigen, dass dadurch eine Totgeburt oder schwere neurologische Schädigung deutlich gesenkt werden können.

Prof. Dr. med. Ekkehard Schleußner, 07740 Jena

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