ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2018Angeborene Herzfehler: Entwickelt sich eine Endokarditis, ist die Sterblichkeit der Patienten hoch

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Angeborene Herzfehler: Entwickelt sich eine Endokarditis, ist die Sterblichkeit der Patienten hoch

Dtsch Arztebl 2018; 115(16): A-763 / B-653 / C-654

Gerste, Ronald D.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

Das Risiko für eine infektiöse Endokarditis ist für Menschen mit angeborenen Herzfehlern wesentlich höher als für die Normalbevölkerung: nämlich bei 1,1 auf 1 000 Patientenjahre vs. 3–7 auf 100 000 Personenjahre in der Normalbevölkerung. Zur Prophylaxe haben Patienten lange Zeit routinemäßig Antibiotika bei invasiven Eingriffen erhalten, vor allem in der Zahnheilkunde. Aufgrund fehlender Evidenz ist inzwischen in den Guidelines davon Abstand genommen worden.

Die Endokarditis-bedingte Mortalität bei Patienten mit angeborenen Herzkrankheiten zu ermitteln, war das Anliegen der Studie an einer britischen Herzklinik, des Royal Brompton Adult Congenital Heart Centre in London. Zwischen 1999 und 2013 wurden dort 144 Patienten (70 % männlich) mit 164 Endokarditis-Episoden behandelt. Die häufigsten Herzkrankheiten waren eine Störung des linksventrikulären Ausstroms (26,8 %), ein Shunt (25,6 %) und eine Fallotʼsche Tetralogie/Pulmonalatresie (22 %). Rezidive der Endokarditis waren häufig und stellten 23 % der 164 Fälle. Ein Patient hatte 6 Episoden, 3 weitere 5. Das auslösende Ereignis, bei dem es zur Infektion gekommen war, konnte nur in einem Viertel der Fälle ermittelt werden. Von diesen 43 Episoden wurden 27,9 % auf eine Zahnbehandlung, 23,3 % auf eine Hautinfektion und 14 % auf eine kardiologische Intervention zurückgeführt.

Von den 164 Endokarditis-Episoden erforderten 61 (37,2 %) eine chirurgische Intervention, 7-mal handelte es sich dabei um einen Notfall wegen akuten Herzversagens. Während der Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 10 Jahren kam es zu 10 auf die Endokarditis zurückgeführten Todesfällen in der Klinik (in-hospital mortality: 6,9 %).

Fazit: „Patienten mit angeborenen Herzfehlern haben ein erhöhtes Risiko, an einer Endokarditis zu erkranken“, erläutert Prof. Dr. med. Jens Kaden, Kardiologe in Mannheim. „Diese war mit einer hohen Morbidität und Mortalität verbunden – obwohl es sich um ein Patientenkollektiv handelte, das mit modernen Methoden therapiert wurde und einen hohen Anteil an leichteren Herzfehlern umfasste.“ Eine frühzeitige Diagnose und Therapieeinleitung sei daher von großer Bedeutung, ebenso konsequente Hygienemaßnahmen, vor allem der Mund- und Hauthygiene.

Dr. med. Ronald D. Gerste

Tutarel O, Alonso-Gonzalez R, Montanaro C, et al.: Infective endocarditis in adults with congenital heart disease remains a lethal disease. Heart 2018; 104: 161–5.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.