ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2018Kutane T-Zell-Lymphome: Progress wird erheblich verzögert

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Kutane T-Zell-Lymphome: Progress wird erheblich verzögert

Dtsch Arztebl 2018; 115(16): A-765

Siegmund-Schultze, Nicola

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Das Antikörperkonjugat Brentuximab Vedotin verlängert das progressionsfreie Überleben um durchschnittlich mehr als 1 Jahr gegenüber gängigen Therapien. Die Ergebnisse einer großen Phase-3-Studie, die das belegen, haben zur Zulassungserweiterung der Substanz geführt.

Kutane T-Zell-Lymphome sind selten. Sie gelten im Allgemeinen als nicht heilbar und vermindern, vor allem in fortgeschrittenen Stadien, die Lebensqualität der Patienten erheblich: fleckförmige, plaqueartige oder knotige Hautveränderungen bilden sich, der Tumor kann sich auf innere Organe ausbreiten. „Charakteristisch für den chronischen Verlauf der Mycosis fungoides, der häufigsten Form kutaner Lymphome, ist der Juckreiz“, erläuterte Priv.-Doz. Dr. med. Chalid Assaf von der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Heliosklinikum Krefeld auf einer Pressekonferenz der Firma Takeda in Berlin. „Schon dieses Symptom kann Patienten sehr belasten.“

Die Therapie ist abhängig vom Krankheitsstadium. In fortgeschrittenen Stadien sind Möglichkeiten der First-line-Therapie Photophorese, PUVA, Interferon, das synthetische Retinoid Bexaroten oder Strahlentherapie. In der Zweitlinie werden Zytostatika angewendet, teilweise kombiniert mit lokaler Radiotherapie, für manche Patienten komme die allogene Stammzelltransplantation infrage, so Assaf.

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Antikörperkonjugat bindet an CD30 auf Lymphomzellen

Seit Ende 2017 ist die Zulassung von Brentuximab Vedotin von Hodgkin-Lymphomen und anaplastischen großzelligen Lymphomen auf CD30-positive kutane T-Zell-Lymphome (CTCL) erweitert: für erwachsene Patienten, die zuvor mindestens eine systemische Behandlung erhalten haben. Brentuximab Vedotin ist ein Konjugat aus einem monoklonalen Antikörper gegen CD30, der mit dem Mikrotubulihemmer Monomethyl-Auristatin verbunden ist. Kutane T-Zell-Lymphome exprimieren häufig CD30, wenn auch heterogen.

Bei den bisherigen systemischen Therapien liegt die Rate des objektiven Ansprechens (ORR) bei 30–40 %. „Ein großes Problem für die Patienten ist, dass sie im Allgemeinen nach 4–6 Monaten die Therapie wechseln müssen“, erläuterte Assaf. Die Behandlung mit Brentuximab Vedotin lässt der Zulassungsstudie ALCANZA zufolge für viele ein deutlich längeres Ansprechen erwarten: 50 % der Patienten, die das Antikörperkonjugat erhalten hatten, waren noch nach knapp 17 Monaten progressionsfrei, aber nur circa 16 % unter der Vergleichstherapie (1).

Die ALCANZA-Studie ist die bislang größte publizierte Phase-3-Untersuchung bei Patienten mit kutanem T-Zell-Lymphom (2). 13 Länder inklusive deutschen Zentren waren beteiligt. 131 vorbehandelte Teilnehmer mit Mycosis fungoides oder mit primärem kutanen anaplastischen großzelligen Lymphom wurden 1:1 randomisiert in eine Gruppe, die Brentuximab Vedotin erhielt (1,8 mg/kg alle 21 Tage bis zu 48 Wochen), und in eine zweite Gruppe, die orales Methotrexat oder Bexaroten erhielt – je nach Wahl des Arztes. Mindestens 10 % der untersuchten Tumorinfiltratzellen mussten CD30 exprimieren. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Patienten mit objektivem Ansprechen zu Monat 4. „Eine Ansprechdauer von 4 Monaten oder länger ist klinisch relevant“, sagte Assaf.

Von 128 Teilnehmern lagen Daten für eine Intention-to-treat-Analyse vor. 56,3 % der mit Brentuximab Vedotin Behandelten (36/64) erreichten den primären Endpunkt und 12,5 % (8/64) im Kontrollarm. „Die Verbesserungen äußerten sich unter anderem in einer gut sichtbaren Reduktion der Hautsymptome, was auch mit einer im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant stärkeren Verbesserung der Lebensqualität einherging“, ergänzte Assaf.

Komplette Remissionen bei 16 % unter der Prüfsubstanz

Nach einem medianen Follow-up von 22,9 Monaten lag das progressionsfreie Überleben bei 16,7 Monaten im Brentuximab-Arm versus 3,5 Monate in der Vergleichsgruppe. Komplette Remissionen erreichten 16 % mit der Prüfsubstanz und 2 % im Kontrollarm.

Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen jedes Grades gehörte die periphere Neuropathie, die sich bis zur letzten Untersuchung bei 82 % der Betroffenen besserte oder verschwand. 24 % der Patienten in der Brentuximab-Gruppe mussten die Behandlung deshalb unterbrechen, aber nur 8 % im Kontrollarm.

„Die ALCANZA-Studie ist ein bedeutender Schritt für die Therapie des CTCL und erweitert die Behandlungsmöglichkeiten für erwachsene Patienten mit CD30-positivem CTCL erheblich, wenn sie auf vorangegangene Therapie nicht oder nur zeitlich begrenzt angesprochen haben“, so Assaf. Zum anderen gebe es mit der ORR4 einen neuen, am medizinischen Bedarf orientierten primären Endpunkt.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Quelle: Pressekonferenz: „Adcetris® zur Therapie des CD30-positiven kutanen T-Zell-Lymphoms zugelassen“ auf dem 33. Deutschen Krebskongress, Berlin, 21. Februar 2018. Veranstalter: Takeda Oncology

1.
Prince HM, Kim YH, Horwitz SM, et al.: Lancet 2017; 390: 555–66 CrossRef CrossRef
2.
Porcu P, Sahu J: Lancet 2017; 390: 533–4 CrossRef
1.Prince HM, Kim YH, Horwitz SM, et al.: Lancet 2017; 390: 555–66 CrossRef CrossRef
2.Porcu P, Sahu J: Lancet 2017; 390: 533–4 CrossRef

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