ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2018Hypertonie: Patienten nehmen lieber Medikamente ein als Sport zu treiben

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hypertonie: Patienten nehmen lieber Medikamente ein als Sport zu treiben

Dtsch Arztebl 2018; 115(16): A-764 / B-654 / C-655

Zylka-Menhorn, Vera

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Foto: kmiragaya/stock.adobe.com
Foto: kmiragaya/stock.adobe.com

Vor die Wahl gestellt, würden sich Hypertoniker als „Behandlungsoption“ eher für eine Tablette oder eine tägliche Tasse Tee anstelle von körperlichem Training entscheiden. Im Rahmen einer Untersuchung, die von der American Heart Association beim Kongress „Care and Out-comes Research“ vorgestellt wurde, wollten die Forscher herausfinden, wie Hypertoniker die Vorteile von Behandlungsmöglichkeiten gegen ihre Unannehmlichkeiten abwägen. Sie fragten danach, welche von 4 „Behandlungen“ (eine tägliche Tasse Tee, Bewegung, Pillen oder monatliche oder halbjährliche Injektionen) sie auswählen würden, um einen zusätzlichen Monat, 1 Jahr oder 5 Lebensjahre zu gewinnen.

Von März bis Juni 2017 schlossen 1 284 US-amerikanische Erwachsene, die über Amazon MTurk rekrutiert wurden, und 100 Patienten, die eine ambulante Gesundheitsklinik besuchten, die Umfrage ab. Die meisten Teilnehmer waren unter 45 Jahre alt, die Hälfte davon waren Frauen. 79 % der Befragten sagten, dass sie bereit wären, eine Pille für einen zusätzlichen Lebensmonat zu nehmen, 90 % für 1 zusätzliches Lebensjahr und 96 % für weitere 5 Lebensjahre. Eine tägliche Tasse Tee trinken würden entsprechend 78 %, 91 % und 96 %.

63 % wären bereit, zu trainieren, 84 % für 1 und 93 % für 5 zusätzliche Lebensjahre. Eine Injektion war die am wenigsten bevorzugte Option: 68 % würden einer halbjährlichen Injektion für einen zusätzlichen Lebensmonat zustimmen (85 % resp. 93 %). Die Bereitschaft nimmt weiter ab, wenn es um monatliche Injektionen gehen würde (51 %, 74 %, 88 %); 88 % würden sich für eine Injektion jeden Monat entscheiden, wenn ihnen dies 5 zusätzliche Lebensjahre gäbe.

Fazit: Die Umfrage zeigt, dass „Menschen die Plus- und Minuspunkte von Interventionen unterschiedlich gewichten“, sagte Studienautorin Prof. Dr. med. Erica Spatz, Yale School of Medicine in New Haven. „Ich glaube, wir müssen mit den Patienten nicht nur über Arzneimittelnebenwirkungen sprechen, sondern herausfinden, ob andere Unannehmlichkeiten oder Belastungen die Bereitschaft einer Person, lebenslange Medikamente einzunehmen oder regelmäßig Sport zu treiben, beeinflussen können.“ Als Studienbeschränkung erachtet Spatz, dass die meisten Befragten relativ jung waren. Ältere Menschen, die die Mehrheit der Hypertoniker darstellen, könnten anders reagieren als jüngere Menschen. Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Spatz E, Shahu A, Kliot T, et al.: Antihypertension Treatment Disutility Among U.S. Adults. American Heart Association Meeting Report Presentation 140 – Session APS.02, Saturday, April 7, 2018.

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