ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2018Herzklappenersatz per Katheter: Niedrigere Sterblichkeit als bei chirurgischen Eingriffen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Herzklappenersatz per Katheter: Niedrigere Sterblichkeit als bei chirurgischen Eingriffen

Dtsch Arztebl 2018; 115(16): A-764 / B-654 / C-655

Zylka-Menhorn, Vera

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Foto: BVMed

Bei Herzklappenpatienten mit hohem Risiko ist der transkathetergestützte Aortenklappenersatz (TAVI) inzwischen Goldstandard in der Therapie von hochgradigen Verengungen. Deutsche Qualitätssicherungsdaten zeigen jetzt, dass die durchschnittliche Krankenhaus-Sterblichkeit bei TAVI-Patienten, ohne Berücksichtigung von Risikokategorien und Schweregraden, geringer oder gleich ist wie bei Chirurgie-Klappenpatienten. Dieses Ergebnis wurde auf der 84. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim präsentiert.

In Deutschland müssen alle Aortenklappenersatzeingriffe beim Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) registriert werden. Danach wurden 2016 mehr als 15 000 TAVI-Prozeduren durchgeführt. Häufigste Komplikationen sind Gefäßverletzungen und postoperative Schrittmacherimplantationen. Zur Detailauswertung wurden die Patienten mittels des jährlich neu adjustierten deutschen Aortenklappenscores (AKL-Score) in 4 Risikogruppen unterteilt.

Die Krankenhaussterblichkeit war bei Patienten mit sehr hohem und mittlerem Risiko nach TAVI signifikant niedriger als bei einem chirurgischen Eingriff (11,3 % vs. 23,6 % bzw. 4,1 % vs. 9,2 %). Sogar bei Niedrigrisikopatienten war die intrahospitale Mortalität nach den beiden Eingriffen vergleichbar (1,6 % vs. 1,4 %). Dies ist insbesondere deshalb beachtlich, da auch in dieser Gruppe das gemittelte Risikoprofil bei TV-TAVI-behandelten Patienten signifikant höher war.

Fazit: Die Ergebnisse nach transvaskulären TAVI-Prozeduren verbessern sich immer weiter. Dies führt zu einer stetig abnehmenden intra-hospitalen Mortalität. „Patienten mit einer hochgradigen Aortenklappenstenose und einem hohen oder intermediären Risikoprofil sollten daher bevorzugt mit einer transvaskulären TAVI behandelt werden“, so Dr. med. Luise Gaede von der Klinik für Innere Medizin, St. Johannes Hospital Dortmund. Ebenso mehrten sich die Langzeitdaten für die Haltbarkeit der Prothesen.

„Die Entscheidung für jeden einzelnen Patienten sollte jedoch weiterhin individuell interdisziplinär im Heart Team – bestehend aus Kardiologen und Herzchirurgen – getroffen werden, um die für sie jeweils individuell am besten geeignete Therapie zukommen lassen zu können.“ Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Gaede L, et al.: Transvascular transcatheter aortic valve implantation in 2016 in Germany: in-hospital mortality numerically lower than for isolated surgical valve replacement. Clin Res Cardiol 2018; 107, Suppl 1.

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