ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2018Deutscher Hausärzteverband: Den Nachwuchs fördern

POLITIK

Deutscher Hausärzteverband: Den Nachwuchs fördern

Dtsch Arztebl 2018; 115(17): A-802 / B-687 / C-687

Korzilius, Heike

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Die Hausärzte forderten Politik und Selbstverwaltung auf, den Masterplan Medizinstudium ebenso zügig umzusetzen wie die von Union und SPD angekündigte bessere Vergütung ihrer Leistungen.

Für eine qualitätsgesicherte Primärversorgung warb Hausärzte-Chef Ulrich Weigeldt bei der Frühjahrstagung seines Verbandes. Foto: axentis.de
Für eine qualitätsgesicherte Primärversorgung warb Hausärzte-Chef Ulrich Weigeldt bei der Frühjahrstagung seines Verbandes. Foto: axentis.de

Die Hausärztinnen und Hausärzte wollen Ergebnisse sehen. Bei der Frühjahrstagung des Deutschen Hausärzteverbandes am 20. und 21. April auf Sylt, verabschiedeten die Delegierten einen Leitantrag, der Union und SPD auffordert, die im Koalitionsvertrag angekündigten Verbesserungen für die hausärztliche Versorgung zügig umzusetzen. Zu den Kernforderungen der Hausärzte gehört dabei die Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020. Danach sollen Medizinstudierende künftig im Staatsexamen verpflichtend eine Prüfung im Fach Allgemeinmedizin ablegen. Ebenfalls zur Pflicht würde es, während des Praktischen Jahres ein Quartal in der ambulanten Versorgung zu verbringen.

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Unis blockieren den Masterplan

„Ein, wenn nicht das wichtigste Ziel dieser Reform ist es, bereits im Studium mehr Kontakt mit und damit Interesse an der hausärztlichen Versorgung zu erzeugen“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, laut Redemanuskript. „Das kann sehr gut dazu beitragen, dass sich zukünftig mehr junge Menschen für eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin entscheiden.“ Es sei ein Skandal, dass viele Universitäten die politisch gewollte Umsetzung des Masterplans ohne Rücksicht auf die bestehenden Versorgungsnöte blockierten, erklärte Weigeldt. Offenbar wolle man dort nichts vom Budget abgeben, was notwendig wäre, um die Lehrstühle für Allgemeinmedizin überall auf ein Niveau zu heben, das Forschung und Lehre gewährleiste. Das Thema müsse noch in diesem Jahr geklärt werden, forderte der Hausärzte-Chef. Ohne diese Reform werde es kaum möglich sein, auch in Zukunft die Versorgung in strukturschwachen und ländlichen Gebieten sicherzustellen.

Zeitnahe Maßnahmen forderten die Delegierten außerdem, um die im Koalitionsvertrag angekündigte bessere Vergütung der hausärztlichen Versorgung und der sprechenden Medizin zu verwirklichen. „Wenn die Politik hier keine glasklaren Vorgaben macht, dann befürchte ich, dass diese gut gemeinten Impulse wieder einmal in den Mühlen der Selbstverwaltung zermahlen werden“, sagte Weigeldt. Eine vernünftige Idee wäre es, so der Bundesvorsitzende, nicht die Grundleistungen wie Grund- und Versichertenpauschale sowie Chronikerzuschlag zu entbudgetieren – das hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung vor Kurzem vorgeschlagen – sondern die typisch hausärztlichen Leistungen wie Hausbesuche, Geriatrie, Palliativmedizin und Gesprächsleistungen. Solche Reformansätze machten die Arbeit als Hausarzt auch für den Nachwuchs wieder attraktiv.

Deutliche Kritik übte Weigeldt hingegen an der ebenfalls im Koalitionsvertrag vereinbarten Erhöhung der Mindestsprechstundenzeiten für gesetzlich krankenversicherte Patienten von bisher 20 auf 25 Stunden pro Woche. Davon abgesehen, dass die meisten Hausärztinnen und Hausärzte ohnehin weit mehr als 25 Sprechstunden pro Woche anböten, zeuge der Vorstoß von Unkenntnis über die Arbeitsbelastung der Hausärzte. „Wer außer uns macht denn Hausbesuche?“, fragte Weigeldt. Und diese seien in den 25 Stunden nicht enthalten.

Patienten besser steuern

Ähnlich gelagert sei die Vorgabe, künftig auch Termine bei Hausärzten über die Terminservicestellen zu vermitteln. Die Wartezeitendiskussion betreffe vor allem fachärztliche Praxen, die nur nach festen Terminvorgaben arbeiteten „und so etwas wie eine Grippewelle nur aus der Zeitung kennen“, sagte der Hausärzte-Chef. Das Problem der langen Wartezeiten auf einen Facharzttermin lasse sich aber nicht durch Sprechstundenvorschriften oder Terminservicestellen lösen, sondern nur durch eine vernünftige Steuerung der Patienten durch das Gesundheitswesen, und zwar durch ihre Hausärzte. Heike Korzilius

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