ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2018Maligner Pleuraerguss: Ambulante Pleurodese mit Talkumsuspension ist machbar und effektiv

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Maligner Pleuraerguss: Ambulante Pleurodese mit Talkumsuspension ist machbar und effektiv

Dtsch Arztebl 2018; 115(17): A-825 / B-702 / C-702

Meyer, Rüdiger

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Foto: mauritius images
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Rezidivierende Pleuraergüsse sind eine häufige Komplikation bei Lungen- oder Brustkrebs, seltener auch bei Ovarial- und Nierenkarzinomen. In Europa und den USA sind jährlich mehr als 750 000 Menschen betroffen.

Die Verdrängung der Lunge führt zu Luftnot und diese macht regelmäßige Pleurapunktionen erforderlich. Die optimale Therapie ist eine thorakoskopische Poudrage mit sterilem Talkum. Sie erfordert allerdings einen mehrtägigen Klinikaufenthalt, den die Patienten, die meist im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankungen nur noch eine begrenzte Lebenszeit haben, gerne vermeiden würden.

Die Alternative besteht in einer regelmäßigen Ableitung des Ergusses über einen Dauerkatheter. Ein Forscherteam von der britischen Universität Bristol hat jetzt in einer randomisierten, placebokontrollierten für die Patienten verblindeten Studie untersucht, ob durch eine Instillation mit einer Talkumsuspension eine effektive Pleurodese erzielt werden kann. An 18 Zentren wurden 154 Patienten mit malignem Pleuraerguss rekrutiert. Ihnen wurde ein Pleurakatheter gelegt und sie erhielten entweder 4 g Talkum als sterile Suspension in 50 ml isotonischer Kochsalzlösung oder nur 50 ml der isotonischen Kochsalzlösung. Nach 2 Stunden Beobachtung wurden sie nach Hause entlassen. Die nächsten Drainagen erfolgten 12–36 Stunden später und danach mindestens 2-mal pro Woche bis zum Ende der Studie.

Der primäre Endpunkt war eine Pleurodese bis zum Tag 35 nach der Behandlung. Die Erfolgskriterien waren die Drainage von weniger als 50 ml Flüssigkeit an 3 aufeinanderfolgenden Terminen und eine radiologische Rückbildung des Pleuraergusses auf weniger als 25 % der betroffenen Lungenseite.

Dieses Ziel erreichten nach der Talkuminstillation 30 von 69 Patienten (43 %) verglichen mit 16 von 70 Patienten (23 %) in der Placebogruppe ( Hazard Ratio für einen Behandlungserfolg: 2,20; 95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [1,23; 3,92]; p = 0,008).

Die Behandlung war nach den Befunden der Forscher nicht mit zusätzlichen Nebenwirkungen verbunden und die Talkumsuspension hat in keinem Fall zu einer Blockade des Katheters geführt, sodass die Behandlung gefahrlos bei allen Patienten erfolgen könnte, bei denen keine „gefangene Lunge“ (lung entrapment) vorliegt. Dann ist die Behandlung kontraindiziert.

Fazit: Die Instillation einer Talkumsuspension über einen Pleurakatheter ermöglicht bei Patienten mit einem malignen Pleuraerguss eine ambulante Pleurodese. Rüdiger Meyer

Bhatnagar R, Keenan EK, Morley AJ, et al.: Outpatient Talc Administration by Indwelling Pleural Catheter for Malignant Effusion. New Engl J Med 2018; 378: 1313–22.

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