ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Diabetologie 1/2018Fahrtauglichkeit bei Diabetes: Mehr Rechtssicherheit

SUPPLEMENT: Perspektiven der Diabetologie

Fahrtauglichkeit bei Diabetes: Mehr Rechtssicherheit

Dtsch Arztebl 2018; 115(17): [30]

Gießelmann, Kathrin

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Bislang gab es in Deutschland keine anerkannten medizinisch-wissenschaftlichen Grundsätze zur Bewertung der Fahreignung bei Diabetes. Für Ärzte und Behandlungspersonal bestand lange Zeit eine haftungsrechtliche Grauzone, insbesondere bei Aufklärung und Handlungsvorgaben. Daher hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zusammen mit anderen Fachgesellschaften zum ersten Mal in Europa eine evidenzbasierte Leitlinie formuliert.

Sie soll nicht nur die Sicherheit auf der Straße verbessern, sondern auch Menschen mit Diabetes vor einem unnötigen Verlust der Fahrerlaubnis und sozialer Ausgrenzung schützen, erklärte Rechtsanwalt Oliver Ebert bei einer Pressekonferenz in Berlin. „Zudem verschafft die Leitlinie Ärzten und Patienten mehr Rechtssicherheit.“ Bisher hätten Gutachter viel Spielraum gehabt. „Jetzt müssen sie sich im Zweifel rechtfertigen, wenn sie von der Leitlinie abweichen“, sagte der Koordinator und Mitautor der Leitlinie und Vorsitzender des Ausschusses Soziales der DDG.

Die meisten Diabetiker können Fahrzeuge der Gruppen 1 und 2 sicher führen, sowohl den Privat-Pkw als auch beruflich einen Bus, Lastwagen oder ein Taxi. Berechtigte Gründe, die Fahreignung infrage zu stellen, werden in der Leitlinie benannt. „Ein Fahrverbot sollten Ärzte dann aussprechen, wenn 2 oder mehr schwere Unterzuckerungen im Wachzustand pro Jahr auftreten oder eine unbehandelte Schlafapnoe vorliegt“, sagte Prof. Dr. med. Reinhard Holl, Epidemiologe der Universität Ulm.

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Im Gegensatz zur Hypoglykämie haben hyperglykämische Blutglukosewerte (Nüchternglukose > 100 mg/dl oder 140 mg/dl 2 Stunden postprandial) nach der aktuellen Studienlage keinen nachweisbaren bedeutsamen Einfluss auf die Fahrsicherheit. Eine vorübergehende Fahruntauglichkeit liegt in der Einstellungsphase auf Insulin vor – besonders, wenn es zu Beeinträchtigungen des Sehens kommt oder die Blutglukose stark schwankt. Auch bei anderen Therapieumstellungen oder Dosisänderungen dürfen Diabetiker so lange nicht Auto fahren, bis der Blutzuckerstoffwechsel wieder stabil ist.

„Ein Arzt, der sich an diese wissenschaftlich abgesicherten Empfehlungen hält, muss grundsätzlich keine Haftung befürchten“, betonte Ebert. „Wenn Ärzte ein ‚ärztliches Fahrverbot‘ aussprechen und Verhaltensvorgaben machen, sollten sie diese auch in der Patientenakte dokumentieren“, fügte der Rechtsanwalt hinzu. Es reiche nicht aus, dem Patienten einen schriftlichen Aufklärungsbogen vorzulegen oder ihn unterzeichnen zu lassen. „Ein mündliches Aufklärungsgespräch ist unverzichtbar.“ gie

Die gesamte Leitlinie im Internet: http://daebl.de/NL13

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