ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenDiabetologie 1/2018Reisemedizin: Gut vorbereitet in den Urlaub

Supplement: Perspektiven der Diabetologie

Reisemedizin: Gut vorbereitet in den Urlaub

Dtsch Arztebl 2018; 115(17): [20]; DOI: 10.3238/PersDia.2018.04.27.05

Zylka-Menhorn, Vera

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Diabetiker können bei präziser Planung auf Reisen gehen, ohne dass es zu lebensgefährlichen Situationen kommt. Was ins Gepäck gehört und wie sich Betroffene am besten verhalten.

Foto: rukxstockphoto/stock.adobe.com
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Ferne Länder kennenlernen und den Urlaub genießen – auch für Menschen mit einer chronischen Stoffwechselerkrankung wie Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 ist dies möglich. Unerlässlich für ungetrübte Urlaubsfreuden ist eine sorgfältige Vorbereitung, die das Risiko für Infektionen und Blutzuckerentgleisungen minimiert. Wie die optimale Vorsorge aussieht, zu der auch der Grippeschutz zählt, war Thema auf der Pressekonferenz des CRM Centrums für Reisemedizin im März in Berlin.

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Diabetes mellitus führt zu einer Suppression des Immunsystems. Menschen mit Diabetes haben daher ein erhöhtes Risiko, an einer Infektionskrankheit zu erkranken. Zudem lassen sich Infektionen bei ihnen schwieriger behandeln und können schwerer verlaufen. Ein umfassender Impfschutz ist für Menschen mit Diabetes daher wichtig. Zu diesem sollte auch die Impfung gegen die saisonale Grippe gehören. „Die saisonale Grippe ist die häufigste durch Impfung vermeidbare Erkrankung bei Reisen in die Subtropen“, erklärt Dr. med. Andreas H. Leischker, Chefarzt der Klinik für Geriatrie des Alexianer-Krankenhauses Krefeld. „Impfen lassen sollte man sich auch dann, wenn die Grippe in Deutschland vor der Abreise gerade keine Hochsaison hat, denn in den Tropen und Subtropen tritt die Grippe ganzjährig auf.“

Neben dem Reiseziel erhöhen auch bestimmte Reisearten das Gripperisiko: „Auf Kreuzfahrtschiffen, längeren Bahnreisen oder Gruppenreisen ist das Risiko für eine Infektion besonders hoch – wie überall dort, wo Menschen auf engerem Raum über eine längere Zeit zusammenleben“, so Leischker.

Neben dem Impf- und Grippeschutz sollten sich Menschen mit Diabetes darauf einstellen, dass veränderte Aktivitätsmuster im Urlaub eine häufigere Blutzuckerkontrolle erfordern. Vor allem in der ersten Nacht im Urlaub komme es oft zu Unterzuckerungen. Alle Utensilien wie Tabletten, Insulin oder Teststreifen sollten in ausreichender Menge eingepackt werden. „Wir empfehlen, dass Menschen mit Diabetes doppelt so viele Teststreifen und die doppelte Menge an Insulin im Handgepäck mitnehmen, wie sie zu Hause in dieser Zeit verbrauchen würden“, sagte Leischker.

Je nach Reiseziel und Verkehrsmittel müsse man auch die Lagerbedingungen für Insulin berücksichtigen: Insulin hält sich bei einer Temperatur von 30 °C mindestens 4 Wochen. Bei 40 °C verliert es dagegen seine Wirkung – das Medikament in warmen Ländern also nicht im Auto liegen lassen, warnte Leischker. Die Wirkung des Insulins geht auch bei Minusgraden verloren – daher sollte man es in kalten Regionen unter der Kleidung tragen.

Insulin und Blutzuckermessgerät gehören ins Handgepäck. „Damit es keinen Ärger am Flughafen oder Zoll gibt, sollten sich Patienten mit Diabetes eine Bescheinigung für alle erforderlichen Medikamente und medizinischen Geräte ausstellen lassen und ihren mehrsprachigen Diabetikerausweis mitnehmen“, so Leischker.

Ins Reisegepäck eines Diabetespatienten gehöre zudem eine Reiseapotheke mit Mitteln gegen Durchfall, aber auch mit Desinfektionsmittel und vielleicht einem Antibiotikum. Besondere Vorsicht müssen Diabetiker walten lassen, die in Gegenden mit schlechter Infrastruktur reisen, etwa zum Trekking. Aufgeplatzte Blasen müssen Betroffene sofort desinfizieren. Bei Reisen in die Wildnis gehöre ein Wunddesinfektionsmittel ins Gepäck, so Leischker. Für Wunden an den Füßen ein Antibiotikum wie Azithromycin oder Amoxicillin-Clavulansäure einpacken.

„Betroffene sollten sich je nach Reiseland und -art von ihrem Arzt eine Liste mit den notwendigen Utensilien zusammenstellen lassen und wissen, wie sie bei Unterzuckerung oder bei extrem hohen Blutzuckerwerten reagieren müssen“, rät der Experte.

DOI: 10.3238/PersDia.2018.04.27.05

Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Quelle: Pressekonferenz des CRM Centrums für Reisemedizin am 9. März und Vortrag „Chronisch Kranke auf Reisen“ während des Forums für Reisen und Gesundheit während der ITB in Berlin.

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