ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2018Regenbogenschüsselchen
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Eine angegebene Prävalenz von 2–20 % lässt auf sehr unterschiedliche Valenz der radiologischen Befundung zurückschließen. Die Abbildung im Beitrag stützt diese, meine Auffassung (1): Das Bild der Magnetresonanztomographie zeigt meines Erachtens keine leere Sella, sondern eine Hypophyse in Form eines „Regenbogenschüsselchens“, auf dem Boden der Sella ausgebreitet oder – so man will, ausgewalzt. Sind unsere Radiologen vielleicht – wie bei Bandscheibenläsionen auch – zu oft bereit, pathologische oder auffällige Befunde zu präsentieren und die Kliniker zunehmend weniger ausgebildet, radiologische Befunde selbst zu werten und mit der Klinik abzugleichen? Jede „falsch-positive“ Diagnose verunsichert unsere Patienten unnötig tiefgreifend mit allen Konsequenzen bezüglich Compliance und Arzt-Patienten-Beziehung. Was Sie berichten ist eine sehr bedenkliche Überdiagnostik. Sollte die Realität in der Mitte, also bei einer Prävalenz von 11 % liegen, was ich immer noch zu hoch einschätze, hätten 10 % der Leute, die sich einer Bildgebung mithilfe der Magnetresonanztomographie des Kopfes unterziehen, eine zumindest zeitweilige Fehldiagnose zu verkraften. Das ist keine Banalität.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0324a

Dr. med. Hans Baiker

Nervenarzt

Detmold

info@dr-baiker.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Auer MK, Stieg MR, Crispin A, Sievers C, Stalla GK, Kopczak A: Primary empty sella syndrome and the prevalence of hormonal dysregulation—a systematic review. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 99–105 VOLLTEXT
1.Auer MK, Stieg MR, Crispin A, Sievers C, Stalla GK, Kopczak A: Primary empty sella syndrome and the prevalence of hormonal dysregulation—a systematic review. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 99–105 VOLLTEXT

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Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

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