ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2018Kein „Alles-oder-Nichts-Prinzip“
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 Die Diskrepanz zwischen den epidemiologischen Angaben, die von einer Prävalenz einer Hypophyseninsuffizienz von etwa 50/100 000 ausgehen und der nach den Ergebnissen dieses Reviews geschätzten Häufigkeit von 1–10 % aller Menschen, verwundert nur bei oberflächlicher Betrachtung (1). Auf eine mögliche Erklärung deutet die Feststellung hin, dass scheinbar die somatotrope Achse am häufigsten betroffen ist, gefolgt von der gonadotropen Achse und am seltensten eine Störung des für das Überleben wichtigsten Systems. Dass eine Schädigung von Hypophysengewebe – aus welchem Grund auch immer – Rücksicht auf die Funktion der entsprechenden Zellen nehmen sollte, ist wohl kaum anzunehmen. Vielmehr liegt nahe, dass bei einem Ausfall der lebenswichtigsten Substanzen kompensatorische Mechanismen einspringen, sodass ein mehr oder weniger ausgeprägter Mangel von Adrenocorticotropem Hormon (ACTH) und Glukokortikoiden beispielsweise eine vermehrte Ausschüttung von Katecholaminen nach sich zieht, was die vorherrschende Symptomatik dann entsprechend verändert.

Als „asymptomatisch“ bezeichnet werden diejenigen Patienten, die nicht die nach Lehrbuch typische Symptomatik eines spezifischen Hormonmangels bieten – tatsächlich sind in der Regel zumindest Symptome vorhanden, die Anlass für eine bildgebende Diagnostik lieferten, wobei diese Symptome bei den sogenannten asymptomatischen Patienten nur nicht direkt mit einer möglichen Einschränkung der Hypophysenfunktion in Verbindung gebracht wurden. Solange eine (mehr oder weniger ausgeprägte) Hypophyseninsuffizienz nur beim Vorliegen einer eindeutigen Symptomatik vermutet und die vielfältigen Gegenregulationen (mit all ihren möglichen Nebenwirkungen), mit denen der menschliche Körper sich bemüht, sein Überleben zu sichern, dabei nicht berücksichtigt werden, bleiben vermutlich viele eigentlich behandlungsbedürftige Störungen der Hypophysenfunktion unerkannt.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0324b

Dr. med. Eva R. Kopka

88326 Aulendorf

eva-kopka@gmx.de

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Auer MK, Stieg MR, Crispin A, Sievers C, Stalla GK, Kopczak A: Primary empty sella syndrome and the prevalence of hormonal dysregulation—a systematic review. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 99–105 VOLLTEXT
1.Auer MK, Stieg MR, Crispin A, Sievers C, Stalla GK, Kopczak A: Primary empty sella syndrome and the prevalence of hormonal dysregulation—a systematic review. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 99–105 VOLLTEXT

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