ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2018Multiple Sklerose: Aus Sicht einer Betroffenen

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Multiple Sklerose: Aus Sicht einer Betroffenen

Dtsch Arztebl 2018; 115(18): A-885

Kappauf, Herbert

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Zu multipler Sklerose gibt es etliche aus der Betroffenenperspektive unterschiedlich kämpferisch geschriebene Ratgeber. Das Buch von Claudia Hontschik möchte dagegen gar kein Ratgeber sein, auch wenn es hilfreiche Orientierung gibt. Hontschik schildert einfach Facetten ihres Lebens mit multipler Sklerose. So wird die tägliche enorme körperliche und psychosoziale Bewältigungsleistung anschaulich, mit der sie ein Stück Alltagsnormalität festzuhalten versucht. Da bedeutet jedes Aufsuchen der Toilette auch im behindertengerecht umgebauten Haus ein achtmaliges Umsetzen: vom Sessel in den Rollstuhl, vom Rollstuhl auf den Sitz des Treppenlifts, von diesem in den zweiten Rollstuhl auf der anderen Ebene des Hauses, schließlich der Wechsel auf den Toilettensitz und im Anschluss die gesamte Prozedur umgekehrt noch einmal. Jeder Arzttermin, ein Essen mit Freunden im Restaurant und Kino- oder Theaterbesuche erfordern akribische vorherige Recherchen und logistische Planung. Und Barrierefreiheit scheint oft die Freiheit für Barrieren zu sein. Trotz aller schwerer Einschränkungen sieht Frau C. jedoch die größte Behinderung in der uneingestandenen Unsicherheit, manchmal aber auch Gedankenlosigkeit durchaus wohlmeinender Mitmenschen: wenn sie beispielsweise „den Rollstuhl“ nach vorne bitten oder diesem in ihrer Eile den Weg abschneiden. Allen, die Menschen mit multipler Sklerose kennen, aber auch Architekten und Städteplanern wird das Buch handlungsändernde Einsichten vermitteln. MS-Erkrankte selbst werden ihr Erleben in feinfühliger Sprache widergespiegelt finden. Das Buch verzichtet auf missionarischen Eifer und klischeehafte Schelte. Trotz der existenziellen Schwere des Themas schafft es mit seinen leichten Zwischentönen eine empathische Neugier weiterzulesen. Herbert Kappauf

Claudia Hontschik: Frau C. hat MS. Wenn die Nerven blank liegen. Westend Verlag, Frankfurt a. M. 2018, 128 Seiten, Hardcover, 16 Euro

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