ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2018Arzneiverordnungen: US-Onkologen lassen sich durch Sponsoring beeinflussen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Arzneiverordnungen: US-Onkologen lassen sich durch Sponsoring beeinflussen

Dtsch Arztebl 2018; 115(18): A-874 / B-744 / C-746

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: sudok1/stock.adobe.com
Foto: sudok1/stock.adobe.com

Wenn Hersteller von Krebsmedikamenten US-Ärzte zu kostenlosen Mahlzeiten, Fortbildungen oder Kongressen einladen, können sie offenbar damit rechnen, dass die Ärzte später ihre Präparate vermehrt verordnen. Eine Studie in JAMA Internal Medicine zeigt dies für 2 Krebsarten, bei denen hochpreisige Wirkstoffe zum Einsatz kommen.

Die Arzneimittelhersteller sind in den USA durch den „Patient Protection and Affordable Care Act“ (Obamacare) gesetzlich verpflichtet, ihre Geschenke an Ärzte offenzulegen. Jede Zuwendung im Gegenwert von über 10 US-Dollar ist meldepflichtig. Aaron Mitchell vom Lineberger Comprehensive Cancer Center in Chapel Hill/North Carolina hat die finanziellen Zuwendungen an US-Onkologen mit den Verordnungen im folgenden Kalenderjahr in Beziehung gesetzt. Die Analyse beschränkte sich auf das metastasierte Nierenzellkarzinom (Sorafenib, Sunitinib, Pazopanib) und die chronisch myeloische Leukämie (Dasatinib, Imatinib, Nilotinib).

Mitchell unterscheidet zwischen Onkologen, die von den Herstellern Zuwendungen für klinische Studien erhielten (9,0 % aller Onkologen, die Patienten mit Nierenzellkarzinom behandeln, und 3,8 %, die Medikamente zur Behandlung der CML verordnet haben) und Onkologen, die Gelder erhalten hatten, ohne an Forschungsobjekten beteiligt zu sein (25,1 %, beziehungsweise 39,5 %). Onkologen, die „allgemeine Zuwendungen“ erhalten hatten, verordneten im folgenden Jahr zur Behandlung von Nierenkrebs doppelt so häufig die Wirkstoffe der Firmen, von denen die Zuwendungen kamen (OR 2,05; 95-%-KI: 1,34–3,14). Bei der CML betrug der Anstieg 29 % (OR: 1,29; 1,13–1,47).

Bei den Onkologen, die Forschungsgelder erhalten hatten, war der Einfluss etwas weniger ausgeprägt. Mitchell ermittelt für das Nierenzellkarzinom eine Odds Ratio von 1,84 (1,25–2,70). Bei der CML war die Odds Ratio von 1,16 (0,89–1,53) nicht signifikant.

Fazit: Mitchell konnte eine Assoziation zwischen dem Sponsoring der Ärzte und dem Anteil der Firmenmedikamente an den Verordnungen nachweisen. Einzige Ausnahme war Imatinib. Dieser Wirkstoff verliert demnächst seinen Patentschutz. Mitchell vermutet, dass die Hersteller kein Interesse daran hatten, die Verordnungen zu „pushen“.

Rüdiger Meyer

Mitchell AP, Winn AN, Dusetzina SB: Pharmaceutical Industry Payments and Oncologists’ Selection of Targeted Cancer Therapies in Medicare Beneficiaries. JAMA Intern Med. online April 9, 2018. doi: 10.1001/jamainternmed.2018.0776.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige