ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2018Adipositas: Klage wegen Körperverletzung
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Sie weisen zu Recht unter anderem auf das Problem der fehlenden Finanzierung und fehlenden Verbreitung der konservativen Adipositas-Therapie, auf die fehlende wissenschaftliche Evidenz der MDK-Vorgaben für bariatrische Operationen und auf die Unterfinanzierung der Nachsorge dieser Patienten hin.

Wir möchten einen in unseren Augen wichtigen forensischen Aspekt hinzufügen: Ein Patient hat Anspruch auf eine z. B. in Leitlinien festgelegte Therapie. Wenn ein hilfesuchender Patient während einer vom MDK geforderten, nach wissenschaftlicher Erkenntnis aber unnötigen Vorbereitung (z. B. sechsmonatige multimodale konservative Therapie trotz BMI > 50 kg/m2) oder während des Wartens auf ein angefordertes, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen aber unnötigen MDK-Gutachtens zu Schaden kommt, dann ist nicht etwa der MDK (oder ein Geschäftsführer) in der Haftung, sondern der Chirurg, an den sich der Patient gewandt hat und der – wider besseren Wissens trotz klarer Leitlinie und Indikationsstellung in einer multiprofessionellen Konferenz – den Patienten (noch) nicht operiert hat. Nur weil ein MDK-Gutachten „üblich“ ist, entbindet uns das nicht von dieser (ethischen, aber eben auch juristischen) Verantwortung.

Wir kennen die Hintergründe nicht, aber der im Medizinreport geschilderte Fall eines Mannes, der im Alter von 27 Jahren trotz BMI von 54 kg/m2 nicht operiert wurde und während des Zeitraums der Gerichtsverhandlung zur Durchsetzung seines Anspruchs auf adäquate Therapie verstarb, würde heute mit den neuen Leitlinien zur Verurteilung der Chirurgen wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen führen können!

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Prof. Dr. med. Jürgen Ordemann, Prof. Dr. Michael Ritter, Prof. Dr. Martin Strik, 13125 Berlin

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