ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2018Metastasierendes nichtkleinzelliges Lungenkarzinom: Kombination aus Immun- und Chemotherapie verlängert Überlebenszeit

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metastasierendes nichtkleinzelliges Lungenkarzinom: Kombination aus Immun- und Chemotherapie verlängert Überlebenszeit

Dtsch Arztebl 2018; 115(18): A-874 / B-744 / C-746

Meyer, Rüdiger

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Foto: mauritius images
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Die meisten Lungenkrebserkrankungen werden erst in einem späten Stadium diagnostiziert. Bei bislang unbehandeltem, metastasierendem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) wirkt sich die zusätzliche Gabe des Checkpointinhibitors Pembrolizumab zur Standardchemotherapie vorteilhaft auf das Überleben aus.

Dr. Leena Gandhi vom NYU Perlmutter Cancer Center in New York City und Kollegen untersuchten 616 Patienten mit metastasierendem NSCLC (fast ausschließlich Adenokarzinome) ohne Sensibilisierung der EGFR- oder ALK-Mutationen. Alle erhielten eine Chemotherapie mit Pemetrexed plus eine platinbasierte Chemotherapie. Zusätzlich wurden sie im Verhältnis 2:1 auf eine Therapie mit Pembrolizumab (200 mg) oder Placebo randomisiert.

Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 10,5 Monaten betrug die geschätzte Gesamtüberlebensrate nach 12 Monaten in der Pembrolizumab-Gruppe 69,2 % gegenüber 49,4 % in der Kontrollgruppe (HR: 0,49; 95-%-KI 0,38–0,64). Das mediane progressionsfreie Überleben wurde von 4,9 auf 8,8 Monate verlängert. Die Hazard Ratio betrug hier 0,52 (0,43–0,64). Die Vorteile wurden erzielt, obwohl es den Patienten im Fall einer Progression erlaubt war, eine Behandlung mit Pembrolizumab zu beginnen, wofür sich etwa die Hälfte der Betroffennen entschied.

Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher traten bei 67,2 % der Patienten in der Pembrolizumab-Kombinationsgruppe und bei 65,8 % der Patienten in der Placebo-Kombinationsgruppe auf. Unter der zusätzlichen Therapie mit Pembrolizumab kam es häufiger zu akuten Nierenschädigungen (5,2 % versus 0,5 %). Auch die Rate der Therapieabbrüche (13,8 % versus 7,9 %) war höher. Immunbedingte Nebenwirkungen traten bei 22,7 % in der Pembrolizumab-Gruppe gegenüber 11,9 % im Kontrollarm auf.

Fazit: Zusammen mit den Ergebnissen anderer Studien legen die Daten nahe, dass die Einführung einer Immuntherapie als Erstlinientherapie eine günstige Wirkung auf das Überleben hat. Für Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Adenokarzinom der Lunge werden diese Ergebnisse wohl die Behandlungsstrategie verändern. Das gilt für rund 70 % der Lungenkrebspatienten. Interessant ist, dass der positive Effekt unabhängig davon auftrat, ob die Tumorzellen an ihrer Oberfläche viele PD-L1-Strukturen aufwiesen oder nicht. Rüdiger Meyer

Gandhi L, Rodríguez-Abreu D, Gadgeel S, et al.; Pembrolizumab plus Chemotherapy in Metastatic Non–Small-Cell Lung Cancer. N Engl J Med 2018. DOI: 10.1056/NEJMoa1801005.

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