ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2018Fortgeschrittenes nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom: Bei hoher Mutationslast ist die Immuntherapie der Zytostatikabehandlung überlegen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fortgeschrittenes nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom: Bei hoher Mutationslast ist die Immuntherapie der Zytostatikabehandlung überlegen

Dtsch Arztebl 2018; 115(18): A-872 / B-742 / C-744

Meyer, Rüdiger

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Foto: mauritius images
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Für Patienten mit neu diagnostizierten, nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen (NSCLC), bei denen keine therapierelevante Treibermutation im Tumor gefunden wird, ist eine platinbasierte Erstlinientherapie Standard, bei hoher PD-L1-Expression auch die Checkpointinhibition. Trotz Verbesserungen der Ergebnisse in den letzten Jahren ist die Prognose vergleichsweise ungünstig, der Bedarf für effektivere systemische Behandlungen groß.

Als unabhängiger Biomarker für eine bessere Ansprechwahrscheinlichkeit auf Checkpointinhibitoren wird eine hohe Mutationslast untersucht. In der offenen, prospektiv randomisierten Phase-3-Studie CheckMate 227 wurden 2 Immuntherapie-Regime (Nivolumab plus Ipilimumab oder Nivolumab allein) mit Zytostatika verglichen, und zwar jeweils bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und PD-L1-Expression ≥ 1 % (n = 1 189) oder < 1 % (n = 550). Bei 139 Patienten in der Gruppe mit doppelter Immuntherapie und bei 160 Patienten unter Chemotherapie wurde die Tumormutationslast bestimmt. Koprimäre Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben (PFS) unter Immun- und unter Chemotherapie in Abhängigkeit von Mutationslast oder von der PD-L1-Expression.

Nach 1 Jahr waren bei hoher Tumorlast (≥ 10 Mutationen/pro 1 Mio. Basen) mit 42,6 % in der Nivolumab-plus-Ipilimumab-Gruppe mehr als 3-mal so viele Patienten ohne Rezidiv am Leben wie im Chemotherapie-Arm mit 13,2 %, das mediane PFS betrug 7,2 vs. 5,5 Monate (Hazard Ratio für Progress oder Tod: 0,58; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,41; 0,81]. Die Differenz war mit p < 0,001 hoch signifikant). Die objektive Ansprechrate bei Nivolumab plus Ipilimumab lag bei 45,3 % vs. 26,9 % unter Chemotherapie. Der Benefit der 2-fach-Immuntherapie bestand über die Subgruppen hinweg, inklusive PD-L1-Expression.

Die Verträglichkeit der doppelten Immuntherapie war nicht schlechter als unter Cisplatin plus Carboplatin: Die Häufigkeit von behandlungsbedingten Grad-3–4-Toxizitäten betrug 31 % vs. 36 % unter der Chemotherapie.

Fazit: Bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und hoher Mutationslast verlängert sich das PFS durch Ipilimumab plus Nivolumab signifikant im Vergleich zur Chemotherapie, unabhängig von der PD-L1-Expression. Rüdiger Meyer

Hellmann MD, Ciuleanu TE, Pluzanski A, et al.: Nivolumab plus ipilimumab in lung cancer with a high tumor mutational burden. N Engl J Med 2018; doi: 10.1056/NEJMoa1801946.

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