ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2018Weichgewebssarkome: Hyperthermie parallel zur Chemotherapie erhöht die Überlebenschance

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Weichgewebssarkome: Hyperthermie parallel zur Chemotherapie erhöht die Überlebenschance

Dtsch Arztebl 2018; 115(18): A-873 / B-743 / C-745

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Science Photo Library/Gschmeissner, Steve
Foto: Science Photo Library/Gschmeissner, Steve

Bei Weichgewebssarkomen kommt es trotz optimaler lokaler Therapie häufig zu lokalen Rezidiven oder zur Fernmetastasierung. Ob Hyperthermie, eine lokale Erwärmung des Gewebes auf 40–43 °C, synergistisch mit Zytostatika und Radiotherapie wirken könnte, ist in einer prospektiv randomisierten Langzeitstudie unter Federführung der LMU München untersucht worden.

341 Erwachsene mit histologisch gesicherten Sarkomen eines Durchmessers von ≥ 5 cm ohne Fernmetastasen wurden eingeschlossen. Es waren unter anderem Lipo-, Leio- und Synovialsarkome, bei 43 % der Patienten an den Extremitäten.

Die Teilnehmer waren durchschnittlich 51 Jahre alt. Sie wurden randomisiert in eine Gruppe mit neoadjuvanter Chemotherapie aus 4 Zyklen Doxorubicin, Ifosfamid und Etoposid alle 3 Wochen oder in den Kombinationsarm mit regionaler Hyperthermie (42 °C) für 60 Minuten während der Zytostatikainfusion an Tag 1 und 4 des jeweiligen Behandlungszyklus (Induktions- und Postinduktionstherapie).

Rekrutiert wurde von Juli 1997 bis November 2006, die mediane Beobachtungszeit betrug 11,3 Jahre. Bis 2014 hatten 67 % der Teilnehmer einen Rückfall und 57 % waren gestorben. Im Vergleich zur neoadjuvanten Chemotherapie allein reduzierte die Hyperthermie das Risiko für einen Progress um 35 % (relatives Risiko: 0,65; 95-%-Konfidenzintervall [95- %-KI] [0,49; 0,86]; p = 0,002) und das Sterblichkeitsrisiko um 27 % (Hazard Ratio: 0,73 [0,54; 0,98]; p = 0,04). Das 5-Jahres-Überleben lag bei 62,7 % unter der Kombination mit Hyperthermie und bei 51,3 % unter neoadjuvanter Chemotherapie allein, das 10-Jahres-Überleben jeweils bei 52,6 % und 42,7 %.

Fazit: „Die Studie macht Hoffnung“, kommentiert Prof. Dr. med. Marcus Lehnhardt, Leiter des Referenzzentrums für Weichteiltumoren an der Universitätsklinik Bergmannsheil, Bochum. „Im multimodalen Therapiekonzept der Weichgewebssarkome ist die R0-Resektion der wesentliche Parameter zur Verhütung von Lokalrezidiven und für das Langzeitüberleben.“

Wegen der Seltenheit und der großen Heterogenität der Tumoren sei bisher kein hoher Evidenzgrad für die systemische Therapie erreicht worden. Deren Wertigkeit, neoadjuvant und adjuvant, blieb unklar. Schon die der aktuellen Publikation vorangehende Studie (2) sei vielversprechend gewesen, so Lehnhardt. Durch Kombination mit regionaler Tiefenhyperthermie wurde die Ansprechrate für die neoadjuvante Chemotherapie von 13 % auf 29 % gesteigert und das Gesamtüberleben verbessert. „Die Studie war jedoch nicht repräsentativ für Extremitätensarkome, die häufigste Lokalisation, und schloss sehr viele Patienten mit R1/R2-Resektionen ein“, kommentiert der Experte. Die aktuelle Studie belege eindrucksvoll, dass durch die Kombination aus Chemotherapie mit Hyperthermie der Krankheitsprogress vermindert und das Überleben um circa 10 % signifikant verlängert werde. „Neben einer Verstärkung der Chemotherapie durch Hyperthermie werden wegen der verzögerten Sichtbarkeit des Überlebensvorteils immunologische Antitumoreffekte vermutet. Aktuell etablieren sich in vielen deutschen Tumorzentren Hyperthermie-Einheiten.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Issels RD, Lindner LH, Verweij J, et al.: Effect of neoadjuvant chemotherapy plus regional hyperthermia on long-term outcomes among patients with localized high-risk soft tissue sarcoma. The EORTC 62961-ESHO 95 randomized clinical trial. JAMA Oncology 2018; doi:10.1001/jamaoncol.2017.4996.
  2. Issels RD, Lindner LH, Verweij J, et al.: Neo-adjuvant chemotherapy alone or with regional hyperthermia for localised high-risk soft-tissue sarcoma: a randomised phase 3 multicentre study. Lancet Oncol 2010; 11: 561–70.

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