ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2018Möglichst nicht operativ behandeln
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Die Autoren wählen die Überschrift „Impingementsyndrom“, obwohl international der Begriff „subacromial pain syndrome“ (SAPS) für zutreffender gehalten wird, weil die Anatomie und die Beschwerden kaum korrelieren und eine falsche Kausalität suggerieren (1).

Im Artikel wird als Merksatz eine 1-Monats-Prävalenz von 16–30 % angegeben, allerdings beziehen sich die 30 % nur auf über 30-Jährige; damit ist die Bevölkerungsprävalenz auch in dieser Studie nur etwa 16 % (2). Die Aussage: (Eine Operation) „ist indiziert, wenn sich die Beschwerden nach konservativer Therapie über mehr als drei Monate nicht bessern“ ist missverständlich und bezieht sich auf nur eine veraltete Quelle aus dem Jahr 1997. Korrekter wäre die Empfehlung, dass eine Operation vor Ablauf von drei Monaten in der Regel nicht indiziert ist, und danach nur in einigen Fällen. Die von den Autoren an anderer Stelle zitierte aktuelle niederländische Leitlinie (3) ist da klarer: SAPS sollte möglichst nichtoperativ behandelt werden…

  • Wenn eine intensive nichtoperative Behandlung eine Besserung bringt und eine Rehabilitation nicht möglich ist, kann eine Bursektomie erwogen werden.
  • Es gibt keine Indikation für die Operation einer asymptomatischen Ruptur der Rotatorenmanschette oder einer Tendinosis calcarea.

Selbst nach Rupturen der Rotatorenmanschette haben 90 % der nicht operierten Patienten nach 14 Jahren keine oder nur geringe Beschwerden (2). Das ist nicht schlechter als die Langzeitergebnisse mit Operation (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0342a

Dr. med. Uwe Popert

Arzt für Allgemeinmedizin
Kassel

uwe.popert@web.de

1.
Garving C, Jakob S, Bauer I, Nadjar R, Brunner UH: Impingement syndrome of the shoulder. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 765–76. VOLLTEXT
2.
Diercks R, Bron C, Dorrestijn O, et al.: Guideline for diagnosis and treatment of subacromial pain syndrome: a multidisciplinary review by the dutch orthopaedic association. Acta Orthop 2014; 85: 314–2 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Kijima H, Minagawa H, Nishi T, Kikuchi K, Shimada Y: Long-term follow-up of cases of rotator cuff tear treated conservatively. J Shoulder Elbow Surg 2012; 21: 491–4 CrossRef MEDLINE
4.
Jaeger M, Berndt T, Rühmann O, Lerch S: Patients with impingement syndrome with and without rotator cuff tears do well 20 years after arthroscopic subacromial decompression. Arthroscopy 2016; 32: 409–15 CrossRef MEDLINE
1.Garving C, Jakob S, Bauer I, Nadjar R, Brunner UH: Impingement syndrome of the shoulder. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 765–76. VOLLTEXT
2.Diercks R, Bron C, Dorrestijn O, et al.: Guideline for diagnosis and treatment of subacromial pain syndrome: a multidisciplinary review by the dutch orthopaedic association. Acta Orthop 2014; 85: 314–2 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Kijima H, Minagawa H, Nishi T, Kikuchi K, Shimada Y: Long-term follow-up of cases of rotator cuff tear treated conservatively. J Shoulder Elbow Surg 2012; 21: 491–4 CrossRef MEDLINE
4.Jaeger M, Berndt T, Rühmann O, Lerch S: Patients with impingement syndrome with and without rotator cuff tears do well 20 years after arthroscopic subacromial decompression. Arthroscopy 2016; 32: 409–15 CrossRef MEDLINE

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