ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2018Bewegungsablauf gestört
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Wichtig ist, dass zum „dritthäufigsten Beschwerdebild im orthopädischen Alltag“ die Zusammenfassung einer „selektiven Literaturrecherche“ im Deutschen Ärzteblatt erscheint (1). Überraschend und ernüchternd ist die Tatsache, dass der Schwerpunkt dieser Arbeit auf den altbekannten strukturellen Befunden und den operativen Möglichkeiten liegt, während der orthopädische Aspekt der Struktur bildenden funktionellen Ursachen kaum erwähnt wird und viel zu kurz kommt. Die genannten „Lernziele“ werden damit nicht erreicht.

Wie lässt sich die Entwicklung der strukturellen Anpassungen und Defekte bei dieser „Volksseuche“ erklären? Die menschliche Schulter entwickelt sich primär als Zug-Rotations-System im Gegensatz zur Hüfte, einem Druck-Rotations-System (2). Zu Beginn einer Schulterbewegung ist daher durch Einsatz der Humerusdistraktoren (lange Bizepssehne, M latissimus dorsi) der Humeruskopf im Glenoid zu caudalisieren beziehungsweise zu zentrieren, bevor eine Abduktion im Glenohumeralgelenk ohne pathologisches humero-akromiales Impingement erfolgen kann, das langfristig zu den subakromialen Anpassungen und Destruktionen führt. Das bewegte Element ist primär der Humeruskopf und nicht das Akromion. Durch die moderne Lebensweise und/oder einseitiges beziehungsweise falsches Training werden die Humerusdistraktoren gegenüber den cranialisierenden und ventralisierenden Muskelgruppen geschwächt und der physiologisch notwendige Ablauf der Zug-Rotation im Glenoid gestört (3). Auch anlagebedingte oder erworbene Instabilitäten spielen unter anderem eine Rolle. Die fachkundige Sonographie ermöglicht die funktionelle Analyse der Schulterbewegung und -stabilität bereits lange bevor strukturelle Umbauvorgänge in der Magnetresonanztomographie oder Veränderungen im konventionellen Röntgenbild nachzuweisen sind (4).

Durch möglichst frühe, rechtzeitige und konsequente Anleitung zur Optimierung der Bewegungsmuster und Verhaltensgewohnheiten ist die Entstehung der beschriebenen Strukturdefekte zu vermeiden (4, 2).

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0342b

Dr. med. Norbert M. Hien

Arzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

81243 München

PraxisDrHien@t-online.de

1.
Garving C, Jakob S, Bauer I, Nadjar R, Brunner UH: Impingement syndrome of the shoulder. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 765–76 VOLLTEXT
2.
Hien NM: Hüftdysplasie und Subakromialsyndrom – gemeinsame Aspekte zu Ursache und Behandlung. Orthopädische Praxis 2009; 45: 398–402.
3.
Longo S, Corradi A, Michielon G, Sardanelli F, Sconfienza LM: Ultrasound evaluation of the subacromial space in healthy subjects performing three different positions of shoulder abduction in both loaded and unloaded conditions. Phys Ther Sport 2017; 23: 105–12 CrossRef MEDLINE
4.
Luding U: Funktionsanalyse der Abduktion im Gelenohumeralgelenk bei Supraspinatussyndrom anhand sonographischer Beobachtung. Inaugural Dissertation LMU München 1994.
1.Garving C, Jakob S, Bauer I, Nadjar R, Brunner UH: Impingement syndrome of the shoulder. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 765–76 VOLLTEXT
2.Hien NM: Hüftdysplasie und Subakromialsyndrom – gemeinsame Aspekte zu Ursache und Behandlung. Orthopädische Praxis 2009; 45: 398–402.
3.Longo S, Corradi A, Michielon G, Sardanelli F, Sconfienza LM: Ultrasound evaluation of the subacromial space in healthy subjects performing three different positions of shoulder abduction in both loaded and unloaded conditions. Phys Ther Sport 2017; 23: 105–12 CrossRef MEDLINE
4.Luding U: Funktionsanalyse der Abduktion im Gelenohumeralgelenk bei Supraspinatussyndrom anhand sonographischer Beobachtung. Inaugural Dissertation LMU München 1994.

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