ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2018Strahlentherapie nicht vergessen
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Wir danken den Autoren für die Zusammenstellung des Kenntnisstandes über das Impingementsyndrom der Schulter (1).

Sie erwähnen jedoch zu unserem Bedauern nicht, dass auch eine niedrig dosierte Strahlentherapie einen guten analgetischen Effekt haben kann. Darüber hinaus gibt es Einzelfallberichte, nach denen sich periartikuläre Verkalkungen nach Strahlentherapie zurückgebildet haben (2). Retrospektive Untersuchungen zeigen ein Ansprechen von 58–100 % im Sinne einer deutlichen Schmerzreduktion oder Schmerzfreiheit. Bessere Ergebnisse werden bei einer frühen Symptomatik erzielt. Empfohlen wird eine Strahlentherapie mittels eines Orthovoltgerätes oder eines Linearbeschleunigers mit Gesamreferenzdosen (GRD) von 3–6 Gy bei 2–5 × wöchentlichen Einzelfraktionen von 0,5–1 Gy (2), somit einer Gesamtdauer von 1–3 Wochen.

Ältere randomisierte Studien aus 1952 und 1969, die keine Überlegenheit der Strahlentherapie über Placebo feststellten, sind wegen niedriger Patientenzahlen, angreifbarer Endpunkte, teilweise unüblicher Indikationen und zu kurzer Nachbeobachtungszeit mit Vorsicht zu betrachten. Eine 2014 publizierte randomisierte Studie zum „painful shoulder syndrome“ (3), die eine Einzeldosis von 0,5 Gy (GRD 3,0 Gy) mit 1 Gy (GRD 6,0 Gy) verglich, zeigte einerseits das gute Ansprechen auf die Strahlentherapie, andererseits ergab sich, dass die genannten Dosen isoeffektiv waren. In vielen Institutionen wurde daraufhin die Dosis halbiert. Studien, die eine Strahlentherapie mit konventioneller Dosis mit Placebo (beziehungsweise einer sehr geringen Dosis) vergleichen, fehlen für das Impingement-Syndrom. Einen Vergleich mit einer Alternativmethode (Extracorporal shock wave therapy, ESWT) publizierten Gross et al. (4), sie zeigten äquivalente Ergebnisse.

Lokale Nebenwirkungen wie Irritationen der Haut werden nur äußerst selten beobachtet. Das Sekundärtumorrisiko ist bei geeigneter Bestrahlungstechnik und zurückhaltender Behandlung sehr junger Patienten (< 30 Jahre) extrem gering.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0342c

Für die Arbeitsgruppe „Gutartige Erkrankungen“ der DEGRO
(Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie)

Prof. Dr. med. Marcus Niewald
66421 Homburg/Saar
marcus.niewald@uks.eu

Prof. Dr. med. Oliver Micke
Bielefeld

PD Dr. med. Ralph Mücke
Bad Kreuznach

1.
Garving C, Jakob S, Bauer I, Nadjar R, Brunner UH: Impingement syndrome of the shoulder. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 765–76 VOLLTEXT
2.
Ott OJ, Niewald M, Weitmann HD, et al.: DEGRO guidelines for the radiotherapy of non-malignant disorders. Part II: painful degenerative skeletal disorders. Strahlenther Onkol 2015; 191: 1–6 CrossRef MEDLINE
3.
Ott OJ, Hertel S, Gaipl US, Frey B, Schmidt M, Fietkau R: The Erlangen dose optimization trial for radiotherapy of benign painful shoulder syndrome. Long-term results. Strahlenther Onkol 2014; 190: 394–8 CrossRef CrossRef
4.
Gross MW, Sattler A, Haake M, et al.: [The effectiveness of radiation treatment in comparison with extracorporeal shockwave therapy (ESWT) in supraspinatus tendon syndrome]. Strahlenther Onkol 2002; 178: 314–20 CrossRef CrossRef MEDLINE
1.Garving C, Jakob S, Bauer I, Nadjar R, Brunner UH: Impingement syndrome of the shoulder. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 765–76 VOLLTEXT
2.Ott OJ, Niewald M, Weitmann HD, et al.: DEGRO guidelines for the radiotherapy of non-malignant disorders. Part II: painful degenerative skeletal disorders. Strahlenther Onkol 2015; 191: 1–6 CrossRef MEDLINE
3.Ott OJ, Hertel S, Gaipl US, Frey B, Schmidt M, Fietkau R: The Erlangen dose optimization trial for radiotherapy of benign painful shoulder syndrome. Long-term results. Strahlenther Onkol 2014; 190: 394–8 CrossRef CrossRef
4.Gross MW, Sattler A, Haake M, et al.: [The effectiveness of radiation treatment in comparison with extracorporeal shockwave therapy (ESWT) in supraspinatus tendon syndrome]. Strahlenther Onkol 2002; 178: 314–20 CrossRef CrossRef MEDLINE

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