ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2018Sektorübergreifende Versorgung: Neue Strukturen für Templin

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Sektorübergreifende Versorgung: Neue Strukturen für Templin

PP 17, Ausgabe Mai 2018, Seite 215

Maybaum, Thorsten

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Die Bevölkerung in und um Templin schrumpft. Zugleich müssen mehr ältere Menschen, aber auch weiterhin Kinder medizinisch versorgt werden. Das macht veränderte Versorgungsangebote notwendig.

Ambulante und stationäre Versorgung sollen in einem Modellprojekt mit dem Namen „Strukturmigration im Mittelbereich Templin“ – kurz StimMT – nicht nur eng verzahnt, sondern neu gedacht werden. Das haben sich im November 2016 Antragssteller und Projektpartner – die Arbeitsgemeinschaft „Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg“ (IGiB), bestehend aus Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Brandenburg, AOK Nordost und Barmer, sowie die Sana Kliniken Berlin-Brandenburg auf die Fahnen geschrieben.

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Foto: Photographee.eu/stock.adobe.com
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Am Sana-Krankenhaus in Templin soll ein Ambulant-Stationäres Zentrum mit einem interdisziplinären Versorgungsangebot entstehen. Vor Ort wird ein Koordinierungs- und Beratungszentrum (KZB) geschaffen, das sich um das Patienten- und Fallmanagement kümmert. Darüber hinaus werden alle Ärzte in Templin über ein regionales Arztnetz (KV-RegioMed-Netz) in die Versorgung eingebunden, sofern sie sich beteiligen wollen. Ebenso einbezogen werden ein Pflegenetzwerk und ein Patientenbus. In die Versorgung fließen darüber hinaus die Sozial- und Beratungskompetenzen der Kommune und der Kassen vor Ort ein. Ziel sei eine abgestimmte, koordinierte Versorgung der medizinischen und pflegerischen Leistungen, hieß es zum Projektbeginn. Nach gut eineinhalb Jahren fällt das Zwischenfazit der IGiB gemischt aus. Der Projektstart habe sich aufgrund der späten Erstzuweisung von Fördermitteln auf Mitte 2017 verzögert, wie Dr. med. Hans-Joachim Helming, Geschäftsführer und Gesamtprojektleiter der IGiB-StimMT, erklärte. Mittlerweile hätten Projektgruppen mit Niedergelassenen und Klinikern aber viele Vorarbeiten für „demnächst versorgungswirksam werdende Betreuungsstrukturen“ geleistet. Ab Mai soll es zum Beispiel eine, in einen Behandlungspfad Herzinsuffizienz eingebettete, kardiologische Spezialsprechstunde im Ambulant-Stationären Zentrum sowie eine Inkontinenz- und eine Dysplasiesprechstunde geben. Die Freigabe seitens der projektbeteiligten AOK Nordost und Barmer steht noch aus. An den Behandlungspfaden Adipositas, Rückenschmerz, Palliativ- und Diabetesversorgung sowie Rheumatologie wird gearbeitet. Diese Betreuungskonzepte sollen in diesem Jahr starten. Etabliert hat sich das seit Mitte 2017 bestehende KZB, in dem bereits eine und ab Mitte 2018 drei „agnes-zwei“-Fachkräfte sowie zwei Beraterinnen für Sozialmedizin arbeiten. In Kooperation mit dem für das Notfallsystem zuständigen Sana-Krankenhaus und der für die Sicherstellung des vertragsärztlichen Bereitschaftsdienstes zuständigen KV wurde eine Bereitschaftspraxis an der Rettungsstelle des Krankenhauses eröffnet. Trotz der Fortschritte gibt es aber auch noch Baustellen. Es sei „sehr schwierig“, ein bedarfsgerechtes Betreuungskonzept für eine sektorübergreifende pädiatrische Versorgung aufzusetzen, obgleich ein „hoher Handlungsdruck“ bestehe, erklärte Helming, der betonte, dass das Projekt in der Region „angekommen“ sei. So würden auch zunächst kritisch eingestellte Ärzte ihre Rolle in dem Projekt erkennen. Zudem sei das öffentliche Interesse in der Region hoch. „Einwohner wie kommunale Verantwortungsträger erwarten spürbare Verbesserungen und haben mittlerweile eine hohe Erwartungshaltung“, so Helming. Thorsten Maybaum

Projekt StimMT

Ziel: Ziel ist die Synthese von ambulanten und stationären Versorgungsangeboten in einer neuen Struktur. Kern ist ein Ambulant-Stationäres Zentrum, in dem die ambulante Versorgung durch eine bedarfsgerechte Vorhaltung stationärer Betreuungsmöglichkeiten ergänzt wird.

Förderung: 14,5 Millionen Euro für vier Jahre

Konsortialpartner: Sana Kliniken Berlin Brandenburg, KV Consult- und Managementgesellschaft, Agenon, inav – Institut für angewandte Versorgungsforschung, KV Brandenburg, AOK Nordost, Barmer

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