ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2018Psychotherapeutische Versorgung: Teilzeitarbeit lohnt sich

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Psychotherapeutische Versorgung: Teilzeitarbeit lohnt sich

PP 17, Ausgabe Mai 2018, Seite 193

Bühring, Petra

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Kinder und Beruf lassen sich leichter unter einen Hut bringen, es bleibt mehr Zeit für Regeneration und Hobbys, schafft schlicht mehr Lebensqualität: Teilzeit zu arbeiten lohnt sich – wenngleich nicht unbedingt finanziell. Überraschenderweise führt der Trend zu Teilzeitarbeit bei Psychologischen Psychotherapeuten (PP) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) für die Patienten auch zu kürzeren Wartezeiten auf einen Therapieplatz.

Bei Ärzten und Psychotherapeuten gibt es einen eindeutigen Trend zu mehr Teilzeitarbeit. Das ergibt sich aus aktuellen Zahlen des Bundesarztregisters der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): Obwohl im vergangenen Jahr fast 3 000 Ärzte und Psychotherapeuten mehr an der ambulanten Versorgung teilnahmen als im Jahr 2016 (147 350 Ärzte und 25 297 Psychotherapeuten), erhöhten sich die Behandlungskapazitäten nach Angaben der KBV nur um 0,2 Prozent (siehe Seite 210).

Der Anteil der Psychotherapeuten mit einem halben Praxissitz lag nach Angaben der Bundespsychotherapeuten (BPtK) 2010 bei 5,9 Prozent. Bis Ende des Jahres 2016 hatten 34,1 Prozent der PP und KJP einen halben Praxissitz. Das ist eine Steigerung um knapp 600 Prozent und bedeutet, dass sich etwa jeden fünften Praxissitz zwei Psychotherapeuten teilen – oder besser: zwei Psychotherapeutinnen. Denn der Beruf wird zunehmend weiblich. Aktuell liegt der Frauenanteil bei Niedergelassenen und Angestellten nach Angaben der BPtK bei 72 Prozent; bei den unter 35-Jährigen sogar bei über 90 Prozent. Dieser hohe Frauenanteil war vermutlich ein Grund dafür, warum der 32. Deutsche Psychotherapeutentag gerade eine Frauenquote für den Vorstand abgelehnt hat (siehe Seite 202) – doch das nur am Rande. Frauen arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit als Männer, weil sie immer noch überwiegend für die Familienarbeit zuständig sind oder sich zuständig fühlen. Oder weil sie die Vorzüge des Down-Shiftings eher zu schätzen wissen als Männer. Der überaus hohe Anteil junger Frauen lässt vermuten, dass sich der Trend zu Teilzeitarbeit noch verstärken wird, wenn die jetzt unter 35-Jährigen demnächst Kinder bekommen. Aber auch die ältere Generation der Psychotherapeuten ist oft froh, die Hälfte ihres Praxissitzes an jüngere Kollegen abzugeben, weil sie in Lehr- oder Supervisionstätigkeit eingebunden sind, als Gutachter arbeiten oder eben die Praxisabgabe vorbereiten.

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Wie lässt sich nun der Zusammenhang zwischen Teilzeitarbeit und Wartezeiten erklären? Eigentlich hatten ja alle damit gerechnet, dass mit der Einführung von psychotherapeutischer Sprechstunde und Akutbehandlung vor einem Jahr die Wartezeiten auf eine Richtlinien-Psychotherapie zunehmen müssten. Dem ist nicht so: Warteten 2011 die Patienten im Durchschnitt 23,4 Wochen auf einen Therapieplatz, sind es aktuell noch 20 Wochen. Darauf weist die BPtK in ihrer aktuellen Wartezeitenstudie hin (siehe Seite 204). Grund dafür ist, dass mit zwei halben Praxen erheblich mehr Patienten behandelt werden. Eine Praxis mit voller Zulassung leistet nach Angaben der Kammer zwischen 20 und 30 Therapiestunden pro Woche. Viele Psychotherapeuten mit halbem Sitz leisten aber oftmals ebenfalls bis zu 20 Stunden. Der Trend zu Teilzeittätigkeit sollte also unbedingt unterstützt werden.

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