ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2018Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina: Traumatisierte Flüchtlinge brauchen Hilfe

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Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina: Traumatisierte Flüchtlinge brauchen Hilfe

PP 17, Ausgabe Mai 2018, Seite 196

dpa; Bühring, Petra

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Psychische Belastungen können auch zu Problemen bei der Integration führen. Foto: dpa
Psychische Belastungen können auch zu Problemen bei der Integration führen. Foto: dpa

Viele Flüchtlinge brauchen nach Einschätzung von Wissenschaftlern dringend psychologische Betreuung. Traumatische Erfahrungen wie Krieg, Verlust und Lebensgefahr führten häufig zu psychischen Erkrankungen, schreibt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina mit Sitz in Halle. Das habe nicht nur für die Betroffenen selbst Folgen. „Bleiben psychische Beeinträchtigungen der Flüchtlinge unerkannt und unbehandelt, können sich mittel- und langfristig empfindliche Veränderungen des sozialen Zusammenhalts der Gesellschaft entwickeln“, warnen die Wissenschaftler in einer aktuellen Stellungnahme. „Flüchtlinge, die psychisch leiden, sind oft nicht in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen, vertrauensvolle soziale Beziehungen einzugehen oder eine neue Sprache zu erlernen.“ Das könne zu Problemen nicht nur bei der Integration führen. Belastungen der Eltern wirkten sich auch noch auf die nächste Generation aus.

Die Experten empfehlen, dass Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Deutschland standardmäßig Fragen zu ihrer psychischen Situation beantworten sollen. Zudem sollten Hausärzte, Sozialarbeiter oder Lehrer für den Umgang mit traumatisierten Menschen geschult werden. Um den großen Bedarf an psychologischer Begleitung zu decken, sollten Peer-Berater eingesetzt werden. Dafür kämen Psychologiestudenten mit Migrationshintergrund und den nötigen Sprachkenntnissen infrage. Schwer traumatisierte Flüchtlinge bräuchten natürlich eine Therapie. Peer-Berater könnten aber unterstützen oder Fällen Begleitung anbieten, ihrerseits begleitet von Experten.

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Nach Angaben der Leopoldina haben mehr als 60 Prozent der erwachsenen und mehr als 40 Prozent der jugendlichen Flüchtlinge Gewalt erfahren – als Opfer oder Täter. dpa/PB

Die Stellungnahme: http://daebl.de/LV53

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