ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/201832. Deutscher Psychotherapeutentag in Bremen: Votum gegen Modellstudiengang Psychopharmakotherapie

POLITIK

32. Deutscher Psychotherapeutentag in Bremen: Votum gegen Modellstudiengang Psychopharmakotherapie

Bühring, Petra

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Im Mittelpunkt der Delegiertenversammlung der Landespsychotherapeutenkammern stand erneut die Reform der Psychotherapieausbildung. Die Evaluation der Psychotherapie-Richtlinie, Chancen und Risiken der Digitalisierung sowie die Frauenquote waren weitere spannende Themen.

Fotos: BPtK
Fotos: BPtK

Die Bremer Stadtmusikanten wagten den Aufbruch aus prekären Situationen, um in der Hansestadt ihr Glück zu versuchen. Esel, Hund, Katze und Hahn kamen zwar bekanntlich nie dort an, fanden aber auf dem Weg nachhaltige Lösungen. So wie in diesem Grimmʼschen Märchen kann es auch in der Psychotherapie gehen. Eine schöne Skulptur der bekannten Tiere steht auf dem Bremer Marktplatz. „Wenn man den Fuß des Esels streichelt, dann gehen Wünsche in Erfüllung“, erklärte der Präsident der Bremer Psychotherapeutenkammer, Karl-Heinz Schrömgens, in seinem Grußwort zum 32. Deutschen Psychotherapeutentag (DPT), der am 20. und 21. April in der Hansestadt stattfand. „Nach 19 Jahren Präsidentschaft werde ich im nächsten Jahr nicht mehr antreten. Ich wünsche mir, dass das Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz bis dahin verabschiedet ist“, sagte Schrömgens.

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Die Reform der Ausbildung war das vordringliche und in bestimmten Punkten kontrovers diskutierte Thema des 32. DPT. Der Bremer Präsident sprach zunächst schlaglichtartig einige Punkte an, die seiner Ansicht nach im Argen liegen und auf die die Reform Auswirkungen haben könnte. Dazu gehören eine „angemessene Verankerung von Psychotherapeuten in der Führungsebene von Kliniken und eine angemessene Bezahlung“. Es sei überfällig, Hürden abzuschaffen, die die Gleichstellung von ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten verhinderten. Die Zukunft müsse in einem konstruktiven und gleichberechtigten Miteinander der Berufsgruppen liegen.

Die Bremer Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz, Prof. Dr. Eva Quante-Brandt, stellt in ihrem Grußwort heraus: „Es ist wichtig, dass die Ausbildungsreform zügig vorankommt.“ Bisher seien die Verhandlungen auch mit dem Deutschen Fakultätentag und dem Wissenschaftsrat gut vorangekommen. Einig sei man sich hinsichtlich eines polyvalenten Bachelorstudiengangs und eines spezialisierten Masters. Strittig sei indes noch die Frage, welche Hochschulen das Studium der Psychotherapie anbieten können sollten: nur die „Universitäten und gleichgestellten Hochschulen“, wie es im Arbeitsentwurf für ein „Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz“ aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) heißt. Quante-Brandt findet, dass auch Fachhochschulen, die bestimmte Kriterien erfüllen, geeignet sein könnten. „Hier muss man zu Lösungen kommen.“

Lösungen sind auch gefragt in weiteren Punkten, die der Arbeitsentwurf bisher noch offen lässt. Darauf wies Dr. phil. Nikolaus Melcop, stellvertretender Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hin. So lässt der Entwurf die Bezeichnung des neuen Berufes noch offen. „Wir schlagen ,Psychotherapeut‘ vor. Das bietet eine Grundlage für Fachgebietsbezeichnungen – und nimmt auch den Ärzten nichts weg“, sagte Melcop. Die Namensgebung ist für die Ärzteschaft ein sehr sensibler Punkt, weil sie Nachteile für ärztliche Psychotherapeuten befürchten. Die Bundesärztekammer schlägt in ihrer aktuellen Stellungnahme zur Ausbildungsreform den Begriff „klinischer Psychologe“ für Absolventen des Masterstudiengangs vor.

Auch hinsichtlich der praktischen Ausbildung während des Studiums macht der Arbeitsentwurf nur „rudimentäre Vorgaben“, betonte Peter Lehndorfer vom Vorstand der BPtK. „Wir brauchen viel konkretere Vorgaben und wollen einen Anker für die Approbationsordnung setzen.“ Der Vorstand der BPtK und die Bund-Länder-AG Transition haben daher Empfehlungen für die „Regelung von Praxisphasen“ erarbeitet, die Mindestanforderungen für die praktische Ausbildung definiert. Insgesamt sind darin für die praktischen Anteile 900 Stunden vorgesehen, zur Hälfte im Bachelor und zur Hälfte im Master. „Wichtig sind bei der praktischen Ausbildung die Patientensicherheit, der Versorgungsbezug und die Zukunftsorientierung, die Weiterbildungsfähigkeit und die Studierbarkeit“, erklärte Lehndorfer. In der Resolution mit dem Titel „Psychotherapeuten fordern Versorgungsorientierung für die Reform der Ausbildung“ fordern die Delegierten darüber hinaus: „Die Approbationsordnung für den neuen Studiengang muss einen ausreichenden Anteil an praktischen Inhalten in mindestens zwei Verfahren vorgeben.“

Wünschen sich einen zügigen Abschluss der Ausbildungsreform: BPtK-Präsident Dietrich Munz (links) und der Präsident der Bremer Landeskammer Karl Heinz Schrömgens
Wünschen sich einen zügigen Abschluss der Ausbildungsreform: BPtK-Präsident Dietrich Munz (links) und der Präsident der Bremer Landeskammer Karl Heinz Schrömgens

Finanzierte Weiterbildung

Auch Regelungen zur Weiterbildung klammert der BMG-Arbeitsentwurf nahezu aus. Klar ist, dass sich die approbierten und mit Staatsexamen ausgestatteten Absolventen des Masterstudiums Psychotherapie in der Weiterbildung auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen oder Erwachsenen spezialisieren sollen und die Fachkunde in einem Psychotherapieverfahren erwerben. Diese Weiterbildung soll, wie bei den Ärzten, in bezahlter Berufstätigkeit erfolgen. Der 32. DPT fordert in oben genannter Resolution: Die Finanzierung der Weiterbildung müsse mit einer ausreichenden Anzahl an ambulanten, stationären und institutionellen Weiterbildungsplätzen gewährleistet sein. Und zweitens: Die bisherigen Ausbildungsinstitute müssten in Weiterbildungsinstitute überführt werden, die die Koordinierung der Weiterbildung sowie die angeleitete Praxis und Supervision, die Theorievermittlung und die Selbsterfahrung „aus einer Hand“ garantierten.

In dem Arbeitsentwurf aus dem BMG wird auch ein Modellstudiengang zur Vermittlung von Kenntnissen zur Psychopharmaka-Verordnung vorgeschlagen. Die Bundesärztekammer lehnt diesen Vorschlag vehement ab. Die BPtK hatte sich bisher noch nicht eindeutig dazu positioniert. „Grundsätzlich benötigen Psychotherapeuten Kenntnisse der Anwendung und Wirkung von Psychopharmaka und deren Wechselwirkung mit Psychotherapie“, erklärte der Präsident der BPtK Dr. rer. nat. Dietrich Munz. Die Vermittlung dieser Kenntnisse müsse regelhaft in dem künftigen Approbationsstudium erfolgen. Vor allem in der stationären Versorgung sei die Behandlung psychisch Kranker eine „komplexe Teamleistung“ und erfolge immer in Kooperation mit den Ärzten. Diese Kooperation „sollte von gegenseitigem Respekt getragen und auf Augenhöhe gelebt werden“, betonte Munz. Formal spiegele sich der hohe Kooperationsanspruch für Psychologische Psychotherapeuten jedoch nicht wider; Leitungsfunktionen seien ihnen verbaut, weil sie nicht über alle Behandlungsbefugnisse verfügten. „Ich persönlich will keine Psychopharmaka verordnen, aber dürfen wir jungen Kollegen in Kliniken eine mögliche Karriere verbauen, wenn wir die Möglichkeit dazu in der Zukunft nicht zumindest offenhalten“, erklärte der BPtK-Präsident.

„Psychopharmakaverordnung sichert keine Karrieren“, betonte hingegen Barbara Lubisch, Delegierte aus NRW. „Wir sind nicht unsolidarisch mit dem Nachwuchs, wenn wir gegen den Modellstudiengang entscheiden, sondern werden Mühe haben, Psychotherapie zu verordnen, wenn wir Medikamente verordnen dürfen“, sagte sie. Benedikt Waldherr, Bayern ergänzte: „Wir werten uns doch ab. Wir haben die effektivere Behandlungsmethode – das müssen wir kommunizieren.“ Gerd Höhner, Präsident der Psychotherapeutenkammer NRW, erklärte: „Die Psychopharmaka-Diskussion ist ein absolutes Torpedo für die Reformbestrebungen – wir müssen eine klare Botschaft gegen den Modellstudiengang aussenden.“

Erprobungsklausel für Neues

Auf der anderen Seite sprach sich beispielsweise Andrea Benecke vom BPtK-Vorstand und Delegierte aus Rheinland-Pfalz für die weitere Behandlungskompetenz aus: „Wir sollten diese Kompetenz nicht aus der Hand geben. Die Politik trägt uns Verantwortlichkeiten zu und wir müssen in fünf bis zehn Jahren darauf regieren können.“ Heiner Vogel, Bayern, wies darauf hin, dass „Psychotherapeuten in der Psychiatrie nur die zweite Geige spielen, weil wir gewisse Dinge nicht können“. Er wolle Kompetenzen zu verschiedenen Therapiebestandteilen haben. „Wir sollten keine Tür zumachen.“ Gregor Peikert, Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer, ergänzte: „Künftige Psychotherapeuten sollen auch schwer psychisch Kranke behandeln. Wir dürfen diese Kompetenz nicht vorschnell ablehnen.“

Nach einer Nacht Bedenkzeit sprachen sich die Delegierten des 32. DPT schließlich mit großer Mehrheit gegen die Einführung eines Modellstudienganges zum Erwerb von Kenntnissen zur Psychopharmaka-Verordnung aus. Dieser sei „nicht zielführend“, heißt es in der Resolution mit dem Titel „Für Stärkung der psychotherapeutischen Kompetenz und der Kooperation mit Ärzten und anderen Heilberufen“. Doch eine Tür soll offen bleiben. „Wir brauchen eine Erprobungsklausel für Innovationen, damit die Hochschulen auf wissenschaftlichen Fortschritt reagieren können“, erklärte Präsident Munz. Konzeptionelle Weiterentwicklungen der Psychotherapie und der Hochschuldidaktik seien zu erwarten. In der Ausbildung brauche es „Offenheit für später“, wenn möglicherweise aufgrund von Versorgungsproblemen neue Wege zusammen mit Ärzten, Apothekern und Pflegeberufen auch hinsichtlich einer Psychopharmaka-Verordnung gefunden werden müssten. Eindeutig sprachen sich die Delegierten deshalb für eine „Erprobungsklausel“ im Approbationsstudium aus.

Mehr Zeit für die Versorgung

Im Bericht des Vorstands hob BPtK-Präsident Munz hervor, dass nach seinem Eindruck „die Politik inzwischen verstanden hat, dass psychische Erkrankungen zu den Volkskrankheiten gehören“ und seit Jahren zunehmen (Kasten Resolutionen). Die Regierung sollte in ihren Lösungsfindungen hierfür allerdings nicht allein auf die Ökonomen hören, sondern auch auf Soziologen, Pädagogen und Psychotherapeuten. „Betriebswirtschaftliches Kalkül und gesellschaftlicher Nutzen sind nicht eins“, betonte Munz. Notwendig sei ein grundsätzliches Umdenken, denn Pflegen, Behandeln und Versorgen brauche vor allem eines: ausreichend Zeit.

Die Politik sollte beim Thema E-Health und Digitalisierung nach Ansicht des Präsidenten nicht ausschließlich auf IT-Experten hören. „Was alles in eine elektronische Patientenakte hinein darf, muss diskutiert werden“, forderte Munz. Die Digitalisierung biete durchaus Chancen, so könnten Internetprogramme oder Apps zur Prävention oder als einzelne Behandlungselement die psychotherapeutische Versorgung ergänzen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Psychotherapeut müsse aber unbedingt aufrechterhalten werden. Auch Fernbehandlung sei, wie in der Medizin, durchaus eine Option in der Psychotherapie. „Diagnostik und Aufklärung müssen aber im unmittelbaren Kontakt mit einem Psychotherapeuten erfolgen“, forderte Munz. Eine ausschließliche Fernbehandlung wie bei den Ärzten sei nicht vorstellbar. In einer Resolution stellte der 32. DPT eine Reihe von Forderungen hinsichtlich der Datensicherheit auf (Kasten). In der anschließenden Aussprache zu dem Thema forderte Sabine Maur, Delegierte aus Rheinland-Pfalz, von der BPtK die Entwicklung einer digitalen Strategie. „Der digitale Alltag hat uns längst eingeholt: Wir müssen zum Beispiel E-Mails beantworten, die unverschlüsselt sind. Wir sind viel zu langsam.“ Bernhard Moors, NRW, ergänzte, dass in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie eine digitale Strategie noch viel notwendiger sei. „Die Kids sind viel weiter als wir. Sie präsentieren uns ihr Leben auf dem Smartphone.“ Darauf müsse man reagieren können. Walter Ströhm, NRW, wies auf die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) hin, die ab dem 25. Mai in Kraft tritt. „Das scheint für uns kein Thema zu sein, aber auch kleine Praxen müssen sich darum kümmern“, mahnte er. BPtK-Präsident Munz sagte zu, das Projekt digitale Strategien im Vorstand zu diskutieren. Zur EU-DS-GVO will die Kammer demnächst eine Broschüre in der Reihe „Praxisinfo“ herausgeben. Gute Hinweise gibt bis dahin auch die Praxisinformation der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (http://daebl.de/HN67).

Gegen Kriminalisierung

Das geplante Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz der Bayerischen Landesregierung steht aktuell stark in der öffentlichen Kritik. „Psychisch Kranke in dieser Form zu stigmatisieren und zu kriminalisieren, ist ein erschreckender Plan“, betonte Munz. Hilfe für psychisch Kranke spielten in dem Gesetz nur eine untergeordnete Rolle, vor allem würden sie als gefährlich angesehen und wie Straftäter behandelt. „Ein Unding“ sei das geplante Zentralregister, in dem Daten von zwangsweise untergebrachten psychisch kranken Menschen gespeichert und Behörden, Gerichten und Polizei zugänglich gemacht werden sollen. Die Ablehnung der Delegierten war eindeutig und sie verabschiedeten eine Resolution gegen das Gesetz (Kasten). Am 24. April reagierte Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) auf den öffentlichen Druck und erklärte, dass auf das Zentralregister „vollständig verzichtet“ werden soll.

Die Reform der Psychotherapie-Richtlinie und ihre Auswirkungen war ein weiteres großes Thema auf dem Bremer Psychotherapeutentag. Prof. Dr. phil. Holger Schulz vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf stellte ausführlich die von der BPtK beauftragte Evaluation der Richtlinie vor, die am 1. April 2017 in Kraft getreten ist. Mit der Richtlinie scheint es gelungen, die psychotherapeutische Versorgung flexibler und niedrigschwelliger zu gestalten, weil die psychotherapeutischen Sprechstunden zu einer zentralen Anlauf- und Koordinierungsstelle geworden sind und die Wartezeiten hierfür mit durchschnittlich 5,7 Wochen deutlich kürzer sind als noch 2011. Auf eine Richtlinienpsychotherapie müssen psychisch Kranke indes immer noch rund fünf Monate warten (siehe nachfolgender Artikel „Es hakt an der Bedarfsplanung“). Die BPtK hatte zu diesem Thema bereits am 11. April eine Pressekonferenz veranstaltet. Der Präsident verwies auf die „große Resonanz“ dieser Veranstaltung. Neben den gesundheitspolitischen Sprechern Sabine Dittmar (SPD) und Maria Klein-Schmeink (Bündnis 90/Die Grünen), die die langen Wartezeiten kritisierten, machte auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seine Stimme stark für die Psychotherapeuten. Er mahnte den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), endlich „die notwendigen Anpassungen beim Bedarf vorzunehmen“. Munz zeigte sich zufrieden: „Wir haben die Politik auf unserer Seite.“ Das Gutachten zur psychotherapeutischen Bedarfsplanung solle dem G-BA-Vorsitzenden Prof. Josef Hecken zufolge im Juni endlich vorliegen, berichtete der Präsident. Die Delegierten begrüßten die mit der Reform der Psychotherapie-Richtlinie verbundenen konstruktiven Änderungen. Sie halten nach einem Jahr Erfahrung jedoch Korrekturen erforderlich, die insbesondere die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie betreffen. Diese sind in einer Resolution aufgelistet (Kasten).

Der 33. Deutsche Psychotherapeutentag findet am 11. November in Berlin statt. Petra Bühring

Frauenquote im Vorstand abgelehnt

Plädierten für eine Frauenquote: Heike Winter (links) und Andrea Benecke für die AG „Frauen in der Berufspolitik“.
Plädierten für eine Frauenquote: Heike Winter (links) und Andrea Benecke für die AG „Frauen in der Berufspolitik“.

Der Frauenanteil in der Profession steigt stetig an. Aktuell sind 72 Prozent der Mitglieder in Psychotherapeutenkammern weiblich. Bei den unter 35-Jährigen liegt der Frauenanteil bei über 90 Prozent. In den Gremien der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) seien Frauen hingegen „deutlich unterrepräsentiert“, kritisiert die Bund-Länder-AG „Frauen in der Berufspolitik“. So ist im fünfköpfigen Bundesvorstand der BPtK beispielsweise nur eine Frau vertreten. Die AG legte deshalb einen Antrag vor, der eine Quote für den Vorstand vorsah: Ihm sollten mindestens zwei Frauen und mindestens zwei Männer angehören. Nach langer und kontroverser Diskussion lehnten die Delegierten dies ab.

Beschlossen wurde stattdessen, dass der Versammlungsleitung mindestens eine Frau und mindestens ein Mann angehören sollen, ebenso dem Wahlausschuss. Ausschüssen und Kommissionen sollen Frauen und Männer grundsätzlich in gleicher Anzahl angehören. Unter den Vertretern der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sollen Frauen und Männer auch in gleichem Maß vertreten sein.

Resolutionen des 32. Deutschen Psychotherapeutentages*

Psychischen Erkrankungen mehr Aufmerksamkeit geben – Koalitionsvertrag umsetzen:

Der 32. DPT begrüßt, dass die Koalitionsvereinbarung von CDU/CSU und SPD an vielen Stellen die Belange psychisch erkrankter Menschen in den Blick nimmt und fordert die Umsetzung dieser Agenda.

Digitalisierung im Gesundheitswesen – E-Health mitgestalten und Datenschutz sichern:

  • Der DPT fordert, die digitale Kommunikation auf dem technisch höchsten Stand zu verschlüsseln und vor Ausspähen und Abfangen der Daten durch Dritte zu schützen.
  • Digitale Anwendungen, wie die E-Patientenakte, müssen einheitlichen Standards genügen.
  • Die Hoheit darüber, was in der Akte gespeichert werden soll, liegt beim Patienten.
  • Digitale Anwendungen in der Regelversorgung dürfen nur nach Indikationsstellung durch approbierte Behandler durchgeführt werden.

Krankenhäuser nicht sicherheitspolitisch missbrauchen – Bayerisches Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz ein bedrohlicher Rückschritt: Der DPT verdeutlicht, dass das Gesetz keine Hilfe für psychisch Kranke sein wird, sondern jahrzehntelange Bemühungen um eine Entstigmatisierung konterkariert. Die Betroffenen werden psychiatrische Einrichtungen aus Angst vor Brandmarkung und Stigmatisierung meiden. Krankenhäuser werden für sicherheitspolitische Zwecke missbraucht.

Die Würde des Menschen ist unantastbar: Mit zwei Kleinen Anfragen im Bundestag (Drucksachen 19/1444 und 19/1446) hat die Fraktion der AfD versucht, die Ursachen und die Häufigkeit der Zunahme von Behinderungen und Infektionskrankheiten einseitig mit der „massiven Einwanderung“ von Flüchtlingen sowie deren vermeintlicher „Inzucht“ in Verbindung zu bringen. Der DPT wendet sich gegen die implizit hergestellten Versuche, fremdenfeindliches und rassistisches Gedankengut in die Debatten des Bundestages zu transportieren.

Besondere Erfordernisse der Kinder- und Jugendpsychotherapie (KJP) berücksichtigen: Der DPT fordert nach einem Jahr Reform der Psychotherapie-Richtlinie folgende Korrekturen:

  • Die Aufhebung der Trennung der Kurzzeittherapie (KZT) in KZT 1 und KZT 2. Diese Trennung führt gerade in der KJP zu Erschwernissen und bürokratischem Aufwand.
  • Die Krankenkassen sollen wieder verpflichtet werden, auch bei der KZT die Bescheide zur Kostenübernahme den Psychotherapeuten direkt zuzusenden.
  • Bei der Akutbehandlung sollen Bezugspersonen von Kindern und Jugendlichen im Verhältnis 1:4 miteinbezogen werden können.
  • In der Gruppenpsychotherapie von Heranwachsenden soll die Größe auf maximal sieben Teilnehmer beschränkt werden (zurzeit neun).

* Alle Resolutionen in redaktionell stark gekürzter Fassung.

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