ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2018Große Koalition: Ungerechte Honorare für Psychotherapeuten
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In der Artikelüberschrift „Arzthonorar – ist das gerecht?“ fällt auf, dass Psychotherapeuten einmal mehr nur als quasi reines Nenn-Anhängsel („niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten“) aufgeführt werden, man ihre weitere Erwähnung im nachfolgenden Text jedoch vergeblich sucht.

Was insofern erstaunt, da insbesondere gerechte Honorare für die Berufsgruppe der Psychotherapeuten seit 19 Jahren (Psychotherapeutengesetz 1999) ein leidiges und vor allem unerledigtes Thema und somit Anlass zu jahrelangen kontinuierlichen Klagen vor dem Bundessozialgericht (BSG) sind. Dabei sind die Forderungen der Psychotherapeuten nach Honorargerechtigkeit keine schlicht moralische Kategorie, sondern laut BSG werde das Gebot der Honorarverteilungsgerechtigkeit verletzt (Urteile vom 20. Januar 1999/Az.: B 6 KA 46/97, B 6 KA 46/98 und 25. August 1999/Az.: B 6 KA 14/98), wenn vom Prinzip der gleichmäßigen Vergütung abgewichen werde. Das BSG geht von einem Gleichbehandlungsgebot (mit den Ärzten) des Art. 3 Abs. 1 GG aus.

Doch von einer Verteilungsgerechtigkeit sind die Psychotherapeuten weit entfernt: Allein von 2009 bis 2018, also in den letzten zehn Jahren, kam es zu einer Honorarerhöhung von exakt 8,57 Euro (ohne den – leider nicht qua BSG abgeschafften – Strukturzuschlag) für den gesamten Zeitraum. Dies bedeutet mithin für eine Therapieeinheit im Durchschnitt 86 Cent p. a. in einem ausführlichen Gutachten führt

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Prof. Dr. jur. Ingwer Ebsen aus, dass die derzeitigen Bestimmungen zur Festlegung des Psychotherapiehonorars eine nicht verfassungskonforme Ungleichbehandlung zwischen somatisch tätigen Ärzten und Psychotherapeuten darstellen. Gesprächsleistungen dürfen nicht schlechter honoriert werden als somatische und technische Leistungen der Medizin. Bereits jetzt liegt der von einer psychotherapeutischen Praxis erwirtschaftete Überschuss pro Stunde bei nicht einmal der Hälfte des Überschusses von somatisch tätigen Arztpraxen. Analog zu der Artikelüberschrift ergibt somit die rhetorische Frage: „Psychotherapeutenhonorar – ist das gerecht?“ eine eindeutige Antwort. Darüber hinaus kann die nicht tolerierbare Vergütungssituation der Psychotherapeuten die Bedeutung psychischer Erkrankungen und ihrer Behandlung keinesfalls abbilden.

Berufsverbände der Psychotherapeuten appellieren zu Recht an den Gesetzgeber, die gesetzlichen Voraussetzungen zur Vergütung der Psychotherapie zu verbessern und dies bereits in ihrer Koalitionsvereinbarung zu verankern. Die kommende Bundesregierung soll endlich tätig werden hinsichtlich der derzeit ungenügenden Regelungen zur „angemessenen Vergütung“ psychotherapeutischer Leistungen in § 87 Abs. 2 c SGB V und diese klar und eindeutig formulieren. Es bleibt zu wünschen, dass sich der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn dieser Thematik zeitnah annimmt.

Regine Posé, 50674 Köln

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