ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2018Bullying: Einmal Opfer, immer Opfer

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Bullying: Einmal Opfer, immer Opfer

PP 17, Ausgabe Mai 2018, Seite 233

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Wer als Kind von anderen Kindern schikaniert wurde, wird im Erwachsenenalter mit hoher Wahrscheinlichkeit von Kollegen schikaniert. Vor allem Kinder, die auf Angriffe ängstlich reagieren und sich zurückziehen, haben ein hohes Risiko, ein Leben lang Opfer zu bleiben. Dies ist das Ergebnis einer Langzeitstudie, die die kanadischen Psychologen Mara Brendgen und François Poulin von der University of Quebec at Montreal (Kanada) durchgeführt haben. In deren Rahmen wurden 251 Personen mehrmals gebeten, Fragebogen zu ihren Erfahrungen mit Bullying in der Schulzeit und am Arbeitsplatz auszufüllen. Sie wurden das erste Mal im Alter von zwölf und das letzte Mal im Alter von 22 Jahren befragt. Zusätzlich wurden die Lehrer der Teilnehmer gebeten, deren Verhalten und Charakter zu beschreiben. Die Auswertung der Daten zeigte, dass manche Teilnehmer während des gesamten Befragungszeitraums unter Bullying litten. Betroffen waren vor allem solche Personen, die sich gegen die verbalen und tätlichen Übergriffe durch Mitschüler oder Kollegen nicht wehrten. „Sie entwickelten aufgrund des Bullyings depressive Symptome, die sie noch anfälliger dafür machten, gemobbt zu werden“, sagen die Autoren. Wenn solche Personen jedoch gute Freunde hatten, konnte dieser Teufelskreis durchbrochen werden, denn die Freunde stärkten ihr Selbstvertrauen und beschützten sie vor Angriffen.

Brendgen und Poulin sehen eine Lösung gegen die Negativspirale in Präventionsprogrammen, die darauf ausgerichtet sind, bei gefährdeten Kindern depressive Symptome zu reduzieren und ihnen beizubringen, wie man Freunde gewinnt. Dadurch wird die Entwicklung zum chronischen Bullyingopfer verhindert und protektive Ressourcen werden gefördert. ms

Brendgen M, Poulin F: Continued bullying victimization from childhood to young adulthood. Journal of Abnormal Child Psychology 2018; 46 (1): 27–39.

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