ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2018Krebsgenetik und Psychotherapie: Sehr interessante psychoonkologische Ansätze

BÜCHER

Krebsgenetik und Psychotherapie: Sehr interessante psychoonkologische Ansätze

PP 17, Ausgabe Mai 2018, Seite 234

Koch, Joachim

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Herausgeberin Parvin Mehdipour lehrt seit über 30 Jahren an der Universität in Teheran mit dem Schwerpunkt der Krebsgenetik und Tumorbiologie. In ihren Forschungen legt sie besonderen Wert auf eine interdisziplinäre Ausrichtung, was bei dem Thema Krebs besonders geboten erscheint. Die Verbindung von Krebsgenetik und Psychotherapie überrascht auf den ersten Blick, weil die Bereiche unzusammenhängend erscheinen. Krebs wird heute als genetische Erkrankung verstanden und Patienten haben vielfache psychologische, psychosoziale und psychotherapeutische Bedarfe.

Das internationale Autorenteam besteht hauptsächlich aus iranischen Wissenschaftlern. In einem Kapitel geht es um die traditionelle persische/iranische Medizin. Im Mittelalter war Isfahan das Zentrum der medizinischen Welt, wo der berühmte Avicenna heilte, forschte und lehrte. Selbst der musste allerdings damals Krebs noch für unheilbar erklären. In einigen Kapiteln geht es ausschließlich um Psychoonkologie und Psychologie beziehungsweise Psychotherapie bei Krebs. Andere Kapitel beziehen sich auf genetische Aspekte, so ein Kapitel mit über 300 Seiten, in dem die wichtigsten beteiligten Gene – soweit bekannt – in Tabellenübersichten beschrieben sind. In vielen Kapiteln geht es um eine bestimmte Krebsart, die umfassend mit klinischen, genetischen, therapeutischen und psychologischen Aspekten behandelt wird. In anderen Kapiteln werden Themen wie Methoden der Krebsforschung oder Ernährung, Epigenetik und Schmerz bei Krebs behandelt.

Anzeige

Ein Kapitel hat die neueren Möglichkeiten der Immuntherapien zum Inhalt. Es ist heute bekannt, das bei den Immuntherapien das Nebenwirkungsspektrum ein ganz anderes ist als bei der Chemotherapie und sich auch die psychische Verfassung verschlechtern kann. Besonders interessant sind die Psychoonkologie-Kapitel. In einem Aufsatz zu Persönlichkeit und Krebs geht es um Überbelastung durch Arbeit, Arbeitsstress und um Persönlichkeitsorientierungen, bei denen Personen sich nicht ausreichend gegen überbordende Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten wehren. Werden Lebensveränderungen rigoros abgelehnt oder fehlen Copingstrategien, kann das sehr negative Auswirkungen haben. Die Frage des Einflusses einer chronisch negativen oder pessimistischen Lebenseinstellung auf die Entwicklung von Krebs oder auf den Verlauf einer Erkrankung ist ebenso ein wichtiges Thema. Stress, Depression und die Frage nach dem sozialen Netzwerk sind wesentliche Punkte einer prophylaktischen psychoonkologischen Orientierung. Joachim Koch

Parvin Mehdipour: Cancer Genetics and Psychotherapy. Springer International Publishing AG, Heidelberg 2017, 1170 Seiten, gebunden, 352,03 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema