ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2018Wirkweise von Psychotherapie: Therapeutenvariablen stärker berücksichtigen

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Wirkweise von Psychotherapie: Therapeutenvariablen stärker berücksichtigen

PP 17, Ausgabe Mai 2018, Seite 236

Köhler, Miriam

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Im Jahr 2001 eröffnete Bruce Wampold mit seinem wegweisenden Buch „The Great Psychotherapy Debate“ erneut die Diskussion über Wirkmechanismen in der Psychotherapie, die bis heute anhält. In diesem Überblickswerk wird dargelegt, dass die Psychotherapieforschung ursprünglich das Ziel hatte, zu belegen, dass Psychotherapie wirkt und sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend die Aufmerksamkeit darauf richtet, was Psychotherapie wirksam macht.

Das kontextuelle Metamodell von Wampold wird klar strukturiert beschrieben und die Bedeutung von Therapeutenfaktoren sowie allgemeinen und spezifischen Effekten ausführlich bewertet. Dem wird das medizinische Metamodell gegenübergestellt, welches davon ausgeht, dass die Wirksamkeit durch spezifische Interventionen für spezielle Patientengruppen bedingt wird und allgemeine Faktoren eine untergeordnete Rolle spielen. Die Autoren erörtern folgerichtig, dass das medizinische Metamodell nicht auf die Psychotherapieforschung übertragen werden sollte, da psychotherapeutische Behandlungseffekte als Prozessmodell über die Zeit verstanden werden müssen. Systematisch erfährt der Leser theoriegeleitetes Wissen über die Konzeption von Psychotherapiestudien, sodass absolute von relativer Wirksamkeit unterschieden werden sowie der Erkenntnisgewinn durch Metaanalysen kritisch hinterfragt werden kann. Ausgezeichnet und auf dem Stand der aktuellen Forschungsliteratur werden Therapeuteneffekte von allgemeinen und spezifischen Effekten abgegrenzt und deren Bedeutung für die Wirkung einer Psychotherapie abgewogen. Positiv hervorzuheben ist, dass eine Anpassung an die europäische Forschung erfolgt ist und im Text über die Geschichte der Psychotherapieforschung auf eine rein amerikanische Sichtweise verzichtet wird.

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Das Buch bietet eine Annäherung an die Frage, welche Kriterien relevant sind für einen gerechten Psychotherapie-Wirksamkeitsvergleich. Die Kernaussage des Buches besagt, dass Psychotherapieforschung prozessorientiert konzipiert werden muss und Therapeutenvariablen stärker berücksichtigt werden müssen, da der Therapeut keine Konstante darstellen kann. Für den an Forschung interessierten Leser sollte das gut recherchierte Buch eine Pflichtlektüre sein. Doch auch für den Praktiker bietet es umfassendes Wissen über die Wirkweise von Psychotherapie. Miriam Köhler

Bruce E. Wampold, Zac E. Imel, Christoph Flückiger: Die Psychotherapie-Debatte – Was Psychotherapie wirksam macht. Hogrefe Verlag, Göttingen 2017, 400 Seiten, kartoniert, 39,95 Euro

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