ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2018Wartezeit in der Psychotherapie: Motivationshilfe für zögerliche Patienten

BÜCHER

Wartezeit in der Psychotherapie: Motivationshilfe für zögerliche Patienten

PP 17, Ausgabe Mai 2018, Seite 236

Stöckert, Simone

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Frank Wendrich hat ein Büchlein veröffentlicht, das sich an Patientinnen und Patienten richtet, die auf einen Therapieplatz warten. Ziel des Buches ist es, auf die wichtigsten Fragen dieser Patientengruppe einzugehen und sie zu ermutigen, diese Wartezeit aktiv zu nutzen. Ferner geht es um Aufklärung über Psychotherapie.

Dazu stellt der Autor zunächst die Frage der Behandlungsnotwendigkeit. Er spricht dafür die gängigen Themen an, mit denen Menschen sich an Therapeutinnen und Therapeuten wenden. Dann stellt er die gängigen Therapieverfahren vor, so wie man es auch bei der persönlichen Aufklärung tun würde. Er gibt den Wartenden Hinweise darauf, wie sie die Wartezeit verkürzen können, zum Beispiel durch eine geschickte Terminplanung, die eventuell auch eine Absprache mit dem Arbeitgeber voraussetzt. Im Zentrum des Buches stehen eine Reihe von Übungen, welche darauf abzielen, sich vorzubereiten, um die spätere Therapie besser nutzen zu können. Diese Übungen sind breit gefächert von systemischen Ansätzen und konkreter Entspannung, über vertiefte Selbstreflexion zu Paararbeit und Jogging. Das Buch endet da, wo die Therapie beginnt: mit Hinweisen, die wiederum aus der Aufklärung stammen, zum Beispiel zu Nebenwirkungen. Es ist ein kurzes Buch in einfacher Sprache gehalten und mit Zeichnungen versehen.

Anzeige

Als Therapeut möchte man, dass Patienten dieses Büchlein vor der Therapie gelesen haben. Sie kommen dann informierter und mit realistischeren Vorstellungen. Außerdem haben sie schon inhaltlich vorgearbeitet und somit erste persönliche Fortschritte gemacht. Sie haben vielleicht schon etwas erkannt oder einen selbstwertdienlichen Erfolg errungen. Ohne es zu sagen, ist das Buch per se eine therapeutische Botschaft: Die Wartezeit muss nicht so schlimm sein. Es ist entscheidend, was man draus macht. Man kann das Buch auch als strukturelle Intervention, welche die Frustrationstoleranz und Geduld erhöhen kann, sehen.

Von der Patientenperspektive her gedacht, ist es vorstellbar, dass zögerliche Patienten sich motiviert fühlen, aller Zweifel zum Trotz einen (Neu-)Start zu machen. Am Ende und am Anfang geht es darum, los zu gehen – und dafür motiviert das kleine, aber feine Buch auf pragmatische und sympathische Art und Weise. Simone Stöckert

Frank Wendrich: Los geht’s – Aktiv warten auf einen Therapieplatz. Fischer & Gann Verlag, Bielefeld 2017, 96 Seiten, gebunden, 10,30 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema