ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/201850 Jahre Open-Air-Festival Burg Herzberg: Ein halbes Jahrhundert Love & Peace

KULTUR

50 Jahre Open-Air-Festival Burg Herzberg: Ein halbes Jahrhundert Love & Peace

PP 17, Ausgabe Mai 2018, Seite 237

Hahne, Eberhard

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Seit 1968 findet mit Unterbrechungen im nordhessischen Breitenbach ein Open-Air-Festival statt. Es ist das älteste, friedlichste und familienfreundlichste Festival Deutschlands.

Entspannt in freundlichem Umfeld ein Open-Air-Festival genießen dies ist seit 50 Jahren auf dem Herzberg möglich. Foto: Eberhard Hahne
Entspannt in freundlichem Umfeld ein Open-Air-Festival genießen dies ist seit 50 Jahren auf dem Herzberg möglich. Foto: Eberhard Hahne

Den älteren Jahrgängen klingen Bandnamen wie Colloseum, Birth Control, Eric Burdon oder Manfred Mannʼs Earth Band noch in den Ohren. Bands, die ihren Höhepunkt in den 70er- oder 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts hatten. Im hessischen Breitenbach rockt die ergraute Rockavantgarde weiterhin mit unermütlichem Verve das mitergraute Publikum.

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Seit 50 Jahren, also noch ein Jahr vor dem legendären Woodstock-Festival, zieht das Festival jährlich circa 12 000 Blues-, Rock- und Soulfans auf das hügelige Gelände am Fuße der Burg Herzberg vor den Toren Fuldas. Mehr Eintrittskarten kommen gar nicht in den Verkauf, um die traditionell familienfreundliche und relaxte Atmosphäre zu garantieren. Viele Festivalbesucher sind langjährige Stammgäste, die keine Lust auf Gedränge, Saufgelage und grölende Jugendliche haben und teilweise mit der ganzen Familie (Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt) im Wohnmobil anreisen.

Auf dem „Camping Ground“ reihen sich schon vor dem Wochenende bunt bemalte VW-Busse, Zelte, Tipis, Camper und umgebaute Reisebusse aneinander. Hier herrscht eine fast dörfliche Atmosphäre – man kennt sich halt. Viele Gäste haben sich schon im Vorfeld verabredet und bilden Wagen- oder Zeltburgen mit Grillgerät im Zentrum. Der Eindruck eines großen Familientreffens drängt sich auf. Hier lässt es sich bestens vom Trubel von dem durch eine kleine Talsenke abgetrennten Festivalgelände erholen.

Das dortige Epizentrum bildet die Main Stage für die Top Acts und zwei kleinere Bühnen für die unbekannteren, aber umso ambitionierteren Bands. Ohne Gedränge und Geschubse kann man sich entspannt zwischen den Bühnen und Ständen auf der „Hauptstraße“ hin- und hertreiben lassen. Sich treiben lassen zwischen Rock und Blues, zwischen Veggiburgern und indischen Currys, zwischen zauseligen Althippies und tätowiertem Jungvolk – das ist die beste Art, dieses Festival zu genießen. Auf jedem Meter inspirieren unerwartete Begegnungen. Bunte Hippieklamottenstände verleiten zum Stöbern, unbekanntes Klanggerät oder verwirrende Laserleuchten zum Experimentieren. Mitten in diesem barock anmutendem Gewusel bietet eine unerwartete Oase Ruhe und Einkehr. Im bestuhlten! Lesezelt werden ganztägig Gedichte (Poetry Slams) und Lesungen abgehalten. Wieder draußen auf der staubigen, oder je nach Wetterlage auch schlammigen „Hauptstraße“, bewerben Umweltorganisationen ihre Ziele, laden Massagezelte zur fernöstlichen Entspannung ein, selbst ein astrologischer Notdienst steht für dringende Fälle zur Verfügung.

Die Kleinen toben sich derweil in ihrem eigenen „Kinderland“ aus. Bis zu 40 Freiwillige betreuen hier liebevoll die Jüngsten, bieten Workshops wie Stelzenlaufen, Jonglieren, Schminken oder Klängelernen an. Das „Kinderland“ gilt als besonderes Anliegen des Festivalorganisators und Geschäftsführers Gunther Lorz. „Die Sehnsucht, einfach so zu sein, wie man will – das macht den Herzberg-Spirit aus. Dazu kommt natürlich, dass wir eines der wenigen Festivals sind, das den Besuch mit Kindern fördert.“

Auch bei den Musikern ist die relaxte Love-&-Peace-Stimmung gefragt. Besonders die internationalen Top Acts kommen wegen des anachronistisch anmutenden Woodstock-Feelings gerne in die nordhessische Provinz: Nigel Kennedy, Petty Smith, Jethro Tull, Steppenwolf, Uriah Heep oder Ten Years After fühlen sich auf dem Herzberg an die gute alte Zeit erinnert.

Zum 50-jährigen Jubiläum vom 26. bis 29. Juli werden Athur Browne, Jon Hiseman, Clem Clemson, Chris Farlowe, Stoppok und viele andere (insgesamt über 100 Künstler) mit einer Supersession ein Kapitel Blues-&-Rock-Geschichte schreiben. Eberhard Hahne

Weitere Infos: www.burgherzberg-festival.de

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