ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1996Sparbuch: Nischen für die Notgroschen

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Sparbuch: Nischen für die Notgroschen

Metzger, H.

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LNSLNS Bei der Geldanlage verschieben sich die Vorlieben der Deutschen allmählich. Zwar steht das Eigenheim noch immer ganz oben auf der Wunschliste, aber das Sparbuch fällt zurück. Andere Anlageformen – wie beispielsweise Investmentfonds – verbuchen Imagegewinne. Das geht aus einer Untersuchung des Spiegel-Verlages Hamburg hervor. Das Sparbuch hat danach zwar noch nicht ausgedient, aber an Image verloren. Denn immerhin 80 Prozent aller Westdeutschen und 74 Prozent aller Ostdetuschen besitzen ein normales Sparkonto mit dreimonatiger Kündigungsfrist. Zum Vergleich: 1980 waren es im Westen noch 92 Prozent.
Wegen der Magerzinsen können nämlich die Sparer, wie die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände warnt, "nur die Konsequenz ziehen, ihre Guthaben auf Sparkonten so gering wie möglich zu halten". Auch der gängige Tip, einen Notgroschen von zwei bis drei Monatsgehältern für unvorhersebare Ausgaben als Spareinlage mit gesetzlicher Kündigungsfrist vorzuhalten, solle unter den derzeitigen Bedingungen nochmals überdacht werden. Ein Umstieg wegen der etwas höheren Verzinsung von der dreimonatigen zu einer vereinbarten längeren Kündigungsfrist mache in der Regel keinen Sinn. Bei gleicher Laufzeit und besserer Verfügbarkeit würden andere Anlageformen bessere Konditionen bieten.
Die Zinssätze für Spareinlagen mit dreimonatiger und vereinbarter längerer Kündigunsgfrist sind variabel. Veränderungen der Sparguthabenverzinsung muß die Bank oder Sparkasse nicht ausdrücklich mitteilen. Nach der Preisangabeverordnung reicht es aus, wenn der Preisaushang entsprechend berichtigt wird. Man sollte deshalb immer ein Auge darauf haben, raten die Verbraucherschützer, wie sich die Verzinsung mit der Zeit entwickelt. Inwieweit die Zinsen an die jeweilige Marktlage angepaßt werden, bleibe letztlich der Geschäftspolitik der Geldhäuser überlassen.


Hechte im Karpfenteich
Es gibt allerdings große Unterschiede bei der Verzinsung für das am meisten verbreitete Sparbuch mit vereinbarter Kündigungsfrist von drei Monaten. Zwar zahlen die meisten Banken und Sparkassen einen unveränderten Magerzins von zwei Prozent. Doch es gibt auch Hechte im Karpfenteich. So sind beispielsweise bei der Augsburger Aktienbank, die über jeden Briefkasten zu erreichen ist, 3,25 Prozent zu erhalten. Das ist fast doppelt soviel wie bei der Konkurrenz und kommt dem Einstiegszins bei Bundesschatzbriefen, der 3,50 Prozent beträgt, recht nahe. 3,25 Prozent gibt es auch bei der CTB Bank in Essen, während die Noris Verbraucherbank und die CC-Bank in Mönchengladbach immerhin noch drei Prozent bieten.
Einige Institute versuchen, das Sparbuch durch andere Maßnahmen attraktiver zu machen. So verkündete dieser Tage die Citibank Privatkunden AG ihren mehr als 600 000 Kunden vollmundig, daß sie mit einer Marktneuheit das Sparen noch einfacher und bequemer mache. Als erste Bank in Deutschland habe das Institut das Citicard Sparbuch herausgebracht, das der Bankkunde unabhängig von den Öffnungszeiten der Bankzweigstellen am Automaten führen könne. Ohne zusätzliche Gebühren und "rund um die Uhr" könne man damit beispielsweise Ein- und Auszahlungen sowie Kontostandabfragen vornehmen. Anlagebeträge könnten dabei ohne vorherige Kündigung bis maximal 3 000 DM im Monat am Geldautomaten der Citibank abgehoben werden. Die Kontobewegungen würden dabei nicht mehr wie beim herkömmlichen Sparkonto in ein gebundenes Buch eingetragen. Die Neuentwicklung bestehe vielmehr aus der Citicard und einer Sparbuchhülle.
Diese Nachricht bezeichnet die Noris Verbraucherbank als "kalten Kaffee". Die jetzt propagierte Neuheit, das Sparbuch durch eine automatentaugliche Kundenkarte zu ersetzen, sei bei der Noris Verbraucherbank bereits seit mehr als 15 Jahren gängige Praxis. Von ihren mehr als 130 000 Sparern würden rund ein Drittel regelmäßig Gebrauch von der Möglichkeit machen, alle Spartransaktionen per Selbstbedienung abzuwickeln. Dazu würden auch Umbuchungen vom und auf das Girokonto genauso wie Kündigungen oder Barabhebungen per Geldautomat gehören.


Zinsen liegen so lange wie Guthaben fest
Zinsen aus Spareinlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist von einem Jahr bis vier Jahren müssen nach Auskunft des Bankenverbandes bis spätestens Ende Februar abgehoben werden, sonst liegen sie ebenso lange fest wie das Guthaben. Vom normalen Sparbuch mit dreimonatiger Kündigungsfrist könnten die Kunden pro Kalendermonat bis zu 3 000 DM abheben. Eine Kündigung mit Dreimonatsfrist sei erst bei höheren Beträgen erforderlich. Doch auch hier werden Zinsen, die bis Ende Februar nicht abgehoben sind, dem Kapital zugeschlagen. Das heißt, daß Inhaber dieser Sparbücher lediglich zwei Monate lang – nämlich Januar und Februar – die 3 000 DM zusätzlich zu den für 1994 gutgeschriebenen Zinsen schadlos abheben können. Oskar H. Metzger

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