ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2018Lebertransplantation: Normotherme Maschinenperfusion statt Kühlung auf Eis beugt Organschäden vor

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Lebertransplantation: Normotherme Maschinenperfusion statt Kühlung auf Eis beugt Organschäden vor

Dtsch Arztebl 2018; 115(19): A-934 / B-789 / C-789

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: ag visuell/stock.adobe.com

Wegen des Organmangels werden in vielen Ländern, auch in Deutschland, vorgeschädigte Organe für die Transplantation akzeptiert oder ältere Spender mit Komorbiditäten. Solche marginalen Organe sind funktionsfähig, aber anfälliger als die von jungen, gesunden Spendern, perioperativ durch Nähr- und Sauerstoffmangel geschädigt zu werden. Tierversuche haben ergeben, dass nahezu physiologische Konservierungsbedingungen von Lebern durch normotherme Maschinenperfusion (NMP) die Organe vor Schädigungen schützen. Nun sind erstmals Daten einer kontrollierten Phase-3-Studie zur NMP bei Lebern publiziert worden.

Lebern von hirntoten Spendern oder von solchen mit Todesfeststellung nach kardiovaskulären Kriterien (DCD) wurden nach Zuteilung zu einem Empfänger randomisiert in eine Gruppe mit statischer konventioneller Konservierung (SCS) auf Eis und in die zweite Gruppe mit dynamischer Konservierung durch NMP. In den ersten 7 Tagen und dann an Tag 10 und 30 postoperativ und nach 6 und 12 Monaten wurden biochemische Funktionsparameter erhoben und Transplantat- und Patientenüberleben dokumentiert. Primärer Endpunkt waren die Peakwerte der Serum-Aspartat-Transaminase (AST) an Tag 7 (Δ der geometrischen Mittelwerte). Die AST ist ein prädiktiver Marker des Transplantatüberlebens.

Für den primären Endpunkt waren die Daten von 220 Lebertransplantationen (NMP: 120 Organe; SCS: 100 Organe) auswertbar. Der Peak-AST-Wert an Tag 7 war in der NMP-Gruppe um 49,4 % signifikant niedriger als in der SCS-Gruppe (488,1 U/L vs. 964,9 U/L; p < 0,001). Subgruppenanalysen nach Spender- und Empfängerrisiken ergaben keine signifikanten Veränderungen des Ergebnisses. Das Risiko für eine frühe Dysfunktion des Organs war nach NMP um 74 % reduziert, trotz längerer Konservierungszeit (11,9 h vs. 7,75 h). Das Organ- und das Patientenüberleben nach einem Jahr betrugen in beiden Gruppen jeweils 95 % und 96 %.

Fazit: Die normotherme Maschinenperfusion vermindert Schädigungen einer Spenderleber und ermöglicht längere Konservierungszeiten, ohne die Organfunktion zu verschlechtern. Die Autoren der Studie schätzen für Lebern, dass mit normothermer Maschinenperfusion 20 % mehr Organe transplantiert werden könnten als mit statischer Konservierung auf Eis. Die Studie liefere Hinweise für diese Annahme, ein Beleg sei sie nicht.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Nasralla D, Coussios CC, Mergental H, et al.: A randomized trial of normothermic preservation in liver transplantation. Nature 2018; doi: org/10.1038/s41586–018– 0047–9.

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