ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2018Transfusionsabhängige Beta-Thalassämie: Die meisten Patienten benötigen nach einer Gentherapie keine Blutkonserven mehr

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Transfusionsabhängige Beta-Thalassämie: Die meisten Patienten benötigen nach einer Gentherapie keine Blutkonserven mehr

Dtsch Arztebl 2018; 115(19): A-934 / B-789 / C-789

Meyer, Rüdiger

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Foto: picture alliance
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Autosomal-rezessiv vererbte Beta-Thalassämien sind die häufigsten monogenetischen Erkrankungen, ausgelöst durch Mutationen im ß-Globin-Gen. Einige lösen nur eine leichte Anämie aus, andere verursachen so starke Einschränkungen der Bildung oder Funktion der Erythrozyten, dass die Patienten regelmäßig Bluttransfusionen benötigen. Kurativ ist bislang nur die allogene Stammzelltransplantation. Allerdings muss ein HLA-identisches Geschwister zur Spende zur Verfügung stehen und Patienten die Toxizität tolerieren können.

Eine Alternative zur allogenen Stammzelltransplantation könnte eine Gentherapie sein. Sie wurde in 2 internationalen Phase-2-Studien mit insgesamt 22 Patienten geprüft, darunter 9 Teilnehmer, die kein oder fast kein Beta-Globin mehr produzierten. CD34+ -Zellen des Patienten wurden mobilisiert, entnommen und mit einem Lentivirus-basierten Vektor mit einer korrekten Version des HbA-Gens versehen. Vor Reinfusion der Zellen erfolgte eine myeloablative Konditionierung mit Busulfan. Wegen der hohen Toxizität wurden Patienten jünger als 35 Jahre eingeschlossen, die keine schweren Vorschäden hatten.

Bei den 9 Patienten mit schwerer Erkrankung reduzierte sich der Transfusionsbedarf um 73 %, 3 von ihnen benötigten keine Bluttransfusionen mehr. Bei den übrigen 13 wurde die Zahl der Transfusionen ebenfalls deutlich vermindert, bis auf einen Patienten kamen zum Zeitpunkt der Analyse alle ohne Transfusionen aus. Eine Immunschwächse als Folge der Konditionierung hatte bei 9 Patienten schwere Komplikationen ausgelöst, darunter Thrombosen in den Lebervenen.

Fazit: In 2 internationalen Studien ist es gelungen, 15 von 22 ß-Thalassämie-Patienten mit einer Gentherapie tranfusionsunabhängig zu machen. Da die Behandlungen 15 bis 42 (median 26) Monate zurücklagen, könnten die Patienten geheilt sein. Eine Zulassung der Gentherapie bei der EMA ist beantragt. Rüdiger Meyer

Thompson AA, Walters MC, Kwiatkowski J, et al.: Gene therapy in patients with transfusion-dependent ß-thalassemia. N Engl J Med 2018; 378: 1479–93.

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