ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2018Ärztestatistik 2017: Verkauft
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Die steigende Zahl angestellter Ärzte wird üblicherweise so dargestellt, als würde sie den Wünschen der jüngeren Ärztegeneration entgegenkommen. Flexible Arbeitszeiten und Teamarbeit lassen sich ebenso in Gemeinschaftspraxen realisieren. Es wird völlig außer Acht gelassen, dass für viele Ärzte trotz des Wunsches nach eigener Niederlassung überhaupt nur eine Beschäftigung als Angestellter möglich ist. Der eigene Kassenarztsitz wird in Ballungsgebieten ein unerreichbares Ziel, auf dem Land unveräußerliche Bürde. Die Facharztsitze unterliegen der Bedarfsplanung, können jedoch durch Einbringung in ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) am Zulassungsausschuss vorbeiperpetuiert werden, auch in prinzipiell überversorgten Gebieten. Eine vorhersehbare Folge des GKV-Modernisierungsgesetzes war, Arztpraxen im MVZ als Wirtschaftsbetrieb zu führen. Für viele Kollegen endet ihr Berufsleben mit dem Verkauf des Kassenarztsitzes an ein MVZ. Die jungen Kollegen stehen nicht selten vor der Wahl, entweder als Angestellter eines Kassenarztes zu arbeiten, in der vagen Hoffnung, einmal einen Kassenarztsitz übernehmen zu können, oder als Angestellter in einem MVZ zu beginnen. Die Position der angestellten Ärzte ist nicht vergleichbar mit der des Freiberuflers. Bei einem Umfirmieren werden Angestellte zwangsläufig an einen neuen Eigentümer „verkauft“. Einen Kassenarztsitz werden sie nicht bekommen und in den Gremien der Kassenärztlichen Vereinigungen sind sie nicht vertreten. Ist der Arztberuf noch ein freier Beruf? Ist von einem freiwilligen Trend auszugehen? Ich meine, es werden zu viele Ärzte gar nicht mehr gehört beziehungsweise finden nicht mehr die von ihnen gewünschten Möglichkeiten in einem von der Politik geprägten vertragsärztlichen Umfeld vor.

Prof. Dr. med. Nicolas von Ahsen, 27283 Verden

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