ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2018Fortgeschrittene Kopf-Hals-Tumoren: Palliative Therapieoption mit Nivolumab hat sich etabliert

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Fortgeschrittene Kopf-Hals-Tumoren: Palliative Therapieoption mit Nivolumab hat sich etabliert

Dtsch Arztebl 2018; 115(19): A-935

Warpakowski, Andrea

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Nach mehr als 10 Jahren ohne therapeutische Innovation in diesem Bereich steht mit dem immunologisch wirksamen PD-1-Inhibitor eine neue Behandlungsoption zur Verfügung.

Der Checkpoint-Inhibitor Nivolumab (Opdivo®) verlängerte im Vergleich zu einer Therapie nach Wahl des Arztes bei Patienten mit Platteneptihelkarzinom des Kopf-Hals-Bereiches (Squamos Cell Carcinoma of the Head and Neck, SCCHN) nach Platinversagen das Gesamtüberleben bei stabiler Lebensqualität. Erstmals konnte für einen Teil der Patienten auch ein Langzeitüberleben über 2 Jahre gezeigt werden.

Nivolumab ist ein humaner monoklonaler Antikörper, der gegen den Immun-Checkpoint-Rezeptor PD-1 (Programmed Death 1) gerichtet ist. Mittlerweile kann der PD-1-Inhibitor zur Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms sowie 6 soliden und hämatologischen Tumorentitäten eingesetzt werden – darunter auch als Monotherapie bei SCCHN-Patienten mit einer Progression während oder nach einer platinbasierten Therapie.

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Phase-III-Studie: CheckMate-141

Grundlage der Zulassung von Nivolumab beim SCCHN war die offene Phase-III-Studie CheckMate-141, in der 361 Patienten mit rezidiviertem oder metastasiertem (R/M) SCCHN von Mundhöhle, Pharynx und Larynx und einer Progression während oder innerhalb von 6 Monaten nach einer platinbasierten Therapie eingeschlossen wurden (1). Die Patienten wurden randomisiert entweder mit Nivolumab (n = 240; 3 mg/kg alle 2 Wochen) oder einer Therapie nach Wahl des Arztes (n = 121; Methotrexat 40 mg/m2 i.v. wöchentlich, Docetaxel 30 mg/m2 i.v. wöchentlich oder Cetuximab 400 mg/m2 einmalig, dann 250 mg/kg wöchentlich) bis zur Tumorprogression oder inakzeptablen Toxizität behandelt. Die vorangegangene platinbasierte Therapie konnte adjuvant oder primär als Radiochemotherapie, bei einem Rezidiv oder im metastasierten Stadium durchgeführt worden sein.

Zum Zeitpunkt der ersten Auswertung war das mediane Gesamtüberleben in der Nivolumab-Gruppe signifikant verlängert im Vergleich zum Kontrollarm (7,5 vs. 5,1 Monate; HR 0,70; p = 0,0101). Nach einem Jahr lebten noch 36 % der Patienten unter Nivolumab und 15 % unter der Vergleichstherapie. Mittlerweile liegt eine weitere Auswertung nach einem medianen Follow-up von 24,2 Monaten vor, in der sich das HR auf 0,68 verbesserte und das 2-Jahres-Überleben sich mit Nivolumab im Vergleich zur Kontrolle mehr als verdoppelte (16,9 vs. 6,0 %) (2). Prof. Dr. med. Sebastian Ochsenreiter, Berlin, wies auf das sich abzeichnende Plateau von rund 10 % nach wie vor überlebender Patienten hin – das habe es zuvor beim R/M SCCHN noch nicht gegeben.

Platinrefraktäre Patienten (Progress < 6 Monate), die in der Regel nicht mehr mit Platin behandelt werden können und Nivolumab (n = 52) oder die Vergleichstherapie (n = 26) in der Studie somit als Erstlinientherapie erhielten, hatten von der Immuntherapie besonders profitiert. Das mediane Überleben betrug bei diesen Patienten mit frühem Tumorprogress nach Platingabe unter Nivolumab 7,7 Monate (Vergleichstherapie 3,3 Monate).

Für Ochsenreiter sind die Ergebnisse zur Lebensqualität ein weiterer Vorteil der Immuntherapie. Anhand der Fragebögen EORTC QLQ-C30, EORTC QLQ-H&N35 und EQ-5D-3L bewerteten die Patienten aus der Nivolumab-Gruppe die körperliche und soziale Funktion sowie den Schmerz und die sensorischen Probleme als stabil respektive in einigen Bereichen auch als verbessert, während die Patienten im Vergleichsarm eine schlechtere Lebensqualität angaben (2).

Stabile Lebensqualität

Als Gründe nannte Ochsenreiter die spätere Progression und die deutlich geringere Rate an unerwünschten Ereignissen sowohl aller Schweregrade (66,19 % vs. 79,3 %) als auch der behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse Grad 3/4 (13,1 % vs. 35,1 %) unter der Immuntherapie (1, 3).

Um die Wirksamkeit und Sicherheit von Nivolumab im klinischen Alltag in Deutschland beim SCCHN mit Progress unter einer platinbasierten zu untersuchen, sei die nichtinterventionelle, prospektive Studie HANNA vor einigen Monaten gestartet. Geplant sind der Einschluss von 385 Patienten, die platin-refraktär (Progress < 6 Monate) oder platinsensitiv (Progress > 6 Monate) sind (4). Andrea Warpakowski

Quelle: Symposium „Neues aus der Immunonkologie bei Lungen- und Kopf-Hals-Tumoren“ in Berlin im Rahmen des 33. Deutschen Krebskongresses; Veranstalter Bristol-Myers Squibb.

1.
Ferris RL, et al.: N Engl J Med 2016; 375 (19): 1856–67 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.
Ferris RL, et al.: ASTRO-Symposium 2018; Abstract LBA10.
3.
Gillison ML, et al.: J Clin Oncol 2017; 35 (15 Suppl): Abstract 6019.
4.
Dietz et al. Oncol Res Treat 2018; 41 (Suppl 1): 1–221; Abstract CrossRef CrossRef MEDLINE
1.Ferris RL, et al.: N Engl J Med 2016; 375 (19): 1856–67 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.Ferris RL, et al.: ASTRO-Symposium 2018; Abstract LBA10.
3.Gillison ML, et al.: J Clin Oncol 2017; 35 (15 Suppl): Abstract 6019.
4.Dietz et al. Oncol Res Treat 2018; 41 (Suppl 1): 1–221; Abstract CrossRef CrossRef MEDLINE

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