ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2018Felix Zintl: Großes Herz für kranke Kinder

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Felix Zintl: Großes Herz für kranke Kinder

Dtsch Arztebl 2018; 115(19): A-951 / B-801 / C-801

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Felix Zintl trug entscheidend zur Erforschung und Entwicklung von Therapieverfahren zur Behandlung von Leukämien und Lymphomen im Kindesalter bei. Auf seine Initiative hin wurde Ende der 1970er-Jahre das einzige Zentrum für Stammzelltransplantationen bei Kindern in der DDR gebaut.

Foto: privat
Foto: privat

Die deutschen Ärztinnen und Ärzte ehren in Felix Zintl einen Mediziner, der als Kinderarzt auf dem Gebiet der Hämatologie und Onkologie Großes geleistet hat. Er trug entscheidend zur Erforschung und Entwicklung von Therapieverfahren zur Behandlung von Leukämien und Lymphomen im Kindesalter bei. Auf seine Initiative hin wurde Ende der 1970er- Jahre das einzige Zentrum für Stammzelltransplantationen bei Kindern in der DDR aufgebaut. Als Prodekan und Dekan der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena gestaltete er nach der Wende die Umstrukturierung des Fachbereichs. Von 1992 bis 2007 war er Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Jena und verantwortlich für deren Modernisierung, die er mit erheblichen Mitteln aus seinem 1990 gegründeten Verein Kinderhilfestiftung Jena e.V. bis heute unterstützt. Für seine Leistungen wurde er 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Mit seinem herausragenden Engagement und seiner vorbildlichen Haltung als Arzt und Wissenschaftler hat sich Felix Zintl um die ärztliche Versorgung der Bevölkerung und das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland in herausragender Weise verdient gemacht.

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Felix Zintl wurde am 30. Dezember 1940 im westböhmischen Schöntal geboren und kam mit seiner Familie 1945 nach Wasungen in Thüringen. Sein Interesse an der Medizin wurde durch den Hausarzt und Nachbarn geweckt, dessen Wirken und Walten ihn nachhaltig beeindruckt haben. Zintl studierte von 1960 bis 1966 Medizin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 1968 begann er die pädiatrische Facharztausbildung an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Jena. Schon während der Weiterbildung konzentrierte er sich auf die Hämatologie und Onkologie im Kindesalter. 1974 wurde er Oberarzt und Leiter des Labors für Hämatologie, Onkologie und Immunologie. Von 1975 an leitete er die multizentrischen Studien in der DDR zur Therapie der akuten lymphatischen Leukämie im Kindesalter. Ab 1980 war er als Hochschuldozent tätig und übernahm die Leitung der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Immunologie an der Universitätskinderklinik Jena. Mit der Einführung der Knochenmarktransplantation, die erst wenige Jahre zuvor in den USA entwickelt worden war, ermöglichte er ab 1980 das Überleben an Leukämie erkrankter Kinder, bei denen infolge eines oder mehrerer Rezidive keine Heilungschancen mittels Chemotherapie mehr gegeben waren. 1987 wurde er zum außerordentlichen Professor für Kinderheilkunde ernannt. Schließlich bekam er 1992 den Ruf auf die Professur für Kinderheilkunde und Jugendmedizin und wurde Direktor der Universitätskinderklinik Jena, die er schon seit 1990 kommissarisch geleitet hatte.

Felix Zintl scheute keine Mühe, den schwierigen Bedingungen und der Mangelwirtschaft des DDR-Gesundheitssystems mit Eigeninitiative und Improvisation zu begegnen. Da die auf dem Weltmarkt erhältliche Medizintechnik nicht zur Verfügung stand, entwickelte er in Zusammenarbeit mit den klinikeigenen Zentralwerkstätten sowie den volkseigenen Betrieben Carl Zeiss Jena, Pneumant Riesa und Elektromat Dresden die technischen Voraussetzungen für die Therapieverfahren. So kamen für die Knochenmarkentnahme Edelstahlgefäße in Form von Suppentassen und Kaffeekännchen zum Einsatz, die sonst im Inventar des Interhotels in Jena zu finden waren.

Engagement und Einsatz in Forschung und Lehre gingen bei Felix Zintl Hand in Hand mit einem großen Herz für die kranken Kinder. Trotz seiner umfangreichen Verpflichtungen und Aufgaben nahm er sich Zeit für seine Patientinnen und Patienten. Auch von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, deren Teamgeist und Forschungsaktivitäten er gefördert hat, wurde er hoch geschätzt.

Neben Lehrtätigkeit und Klinik hat Felix Zintl über 300 Fachartikel und Buchbeiträge veröffentlicht. Er war Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrie der DDR und leitete deren internationale Symposien. Ab 1994 war er Mitglied und von 1998 bis 2002 Vorstandsmitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundes­ärzte­kammer.

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