ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2018Organspende: Weitere Maßnahmen
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Das am 5. November 1997 in Kraft getretene Transplantationsgesetz hat „Rechtssicherheit“ erbracht und galt als juridisch gelungen. Die Realität ist aber, dass Jahr für Jahr in Deutschland etwa 1 000 Menschen auf der Warteliste starben und sterben. Medizinisch und humanitär war das Gesetz also misslungen. Bei der in technischer, juristischer und ethischer Hinsicht hochkomplexen Transplantationsproblematik spielen viele Einflussfaktoren und natürlich die Rahmenbedingungen eine Rolle. Gehen wir von der Realität aus: Die Zahl der potenziellen Spender ist mehrfach höher als die der tatsächlichen Spender. Beim höchsten Organbedarf, den Nierenübertragungen, bietet sich die Lebendspende an, doch wird die postmortale Transplantation (aus nicht medizinischen Gründen) nahegelegt und übersteigt die einfachere Übertragung von Mensch zu Mensch zahlenmäßig vielfach. In der Bevölkerung ist die Lebendspende moralisch hoch anerkannt, wie sich am Beispiel unseres Bundespräsidenten Steinmeier gezeigt hat. Zudem ist dabei das funktionale Ergebnis aus naheliegenden Überlegungen und nach empirischen Ergebnissen besser als die postmortale Übertragung.

Ich selbst habe seit Jahrzehnten gefordert, die Zahl der Analgetika-Nephropathien durch Entkoppelung von Analgetika und psychotropen Substanzen in Kombinationspräparaten zu verringern. Die Herausnahme von Barbituraten durch Maßnahmen des (früheren) Bundesgesundheitsamts (BGA) in den 1980er-Jahren hat die Situation verbessert, auch die Rücknahme von Phenacetin in Kombinationspräparaten, während die Kombination von Analgetika mit dem psychotropen Koffein weiterhin erlaubt ist und sich hohen Konsums und Missbrauchs erfreut. Auch die Freiverkäuflichkeit von Ibuprofen und Diclofenac trägt zur Entstehung von Nierenversagen und Dialyse- bzw. Transplantationspflicht bei.

Erfreulich ist hingegen, dass sich die Zahl der Herztransplantationen seit 1997 durch bessere Behandlung von Herzinsuffizienz und präventive Maßnahmen stetig verringert hat. Während hier nur die postmortale Spende in Zusammenhang mit der definitorisch und ethisch angreifbaren „Hirntod-Vereinbarung“ möglich ist, sind Leberteiltransplantationen von Person zu Person möglich. Neben der berechtigen Forderung zum Systemwechsel, zur „Widerspruchslösung“ gibt es also eine Reihe weiterer vernünftiger, hier nicht umfassend explizierbarer Maßnahmen, um die fortlaufenden Tragödien des Tods auf der Warteliste zu vermeiden.

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Dr. med. Roland Wörz, 76669 Bad Schönborn

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