ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2018Margita Bert: Modernisiererin der Berufspolitik

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Margita Bert: Modernisiererin der Berufspolitik

Dtsch Arztebl 2018; 115(19): A-949 / B-799 / C-799

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Margita Bert war die treibende Kraft eines umfassenden Reform- und Modernisierungsprozesses in der KV Hessen. Dabei verstand sie sich als Sachwalterin aller Arztgruppen und hatte immer auch den Ausgleich der Interessen bei den spezifischen haus- und fachärztlichen Anliegen im Fokus.

Foto: privat
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Die deutschen Ärztinnen und Ärzte ehren in Margita Bert eine Ärztin, die sich neben ihrer Praxistätigkeit als Gynäkologin über vier Jahrzehnte der berufsständischen Arbeit gewidmet hat. Mit großem Engagement setzte sie sich in der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen ebenso wie während ihrer langjährigen Mitgliedschaft im Präsidium der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen für die standespolitischen Belange ihrer Kolleginnen und Kollegen ein. Sie verstand sich als Sachwalterin aller Arztgruppen und hatte immer auch den Ausgleich der Interessen bei den spezifischen haus- und fachärztlichen Anliegen im Fokus. Margita Bert hat sich durch ihren jahrzehntelangen haupt- und ehrenamtlichen Einsatz um die ärztliche Selbstverwaltung und das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland in ganz besonderer Weise verdient gemacht.

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Margita Bert wurde am 3. Mai 1940 in Darmstadt geboren und wuchs mit ihren beiden jüngeren Geschwistern in einer Arztfamilie in Bensheim auf. Nach dem Abitur am Goethe-Gymnasium 1959 studierte sie Medizin in Gießen, Göttingen und Marburg, wo sie 1966 das Staatsexamen ablegte. Mit Erhalt der ärztlichen Approbation 1968 nahm sie ihre Tätigkeit als Assistenzärztin an der Universitäts-Frauenklinik in Gießen auf. Im Jahr darauf wurde sie promoviert und 1972 schloss sie ihre Weiterbildung mit der Anerkennung als Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe ab. 1973 gründete sie eine gynäkologische Praxis in Rüsselsheim, die sie von 1976 bis 2005 als Gemeinschaftspraxis mit ihrem Kollegen Dr. Hellmut Haas führte.

Die Vielgestaltigkeit, die sie an ihrer ärztlichen Tätigkeit als Gynäkologin so schätzte, prägte auch ihr berufspolitisches Engagement. Margita Bert begann 1977 als stellvertretendes Mitglied im Geschäftsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen in Darmstadt. Elf Jahre lang war sie Sprecherin der Abgeordnetenversammlung der KV Hessen und anfangs die einzige Frau in diesem Gremium. Ab 2003 amtierte sie als Zweite Vorstandsvorsitzende und war damit die erste Frau in der Geschichte der KV Hessen in dieser Position. Schließlich wurde sie 2005 zur Vorsitzenden des KV-Vorstands gewählt. Mit ihrer Sachkenntnis und ihrem Erfahrungshorizont ebenso wie mit Ausdauer und Beharrlichkeit war es ihr gelungen, als eine der damals wenigen Frauen in der Selbstverwaltung der Ärzteschaft so weit aufzusteigen.

Während ihrer sechsjährigen Amtszeit als Vorstandsvorsitzende war sie treibende Kraft eines umfassenden Reform- und Modernisierungsprozesses in der KV Hessen, im Zuge dessen die Institution in ein serviceorientiertes Dienstleistungsunternehmen umgebaut wurde. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf einem zentralisierten und effizienten Abrechnungswesen sowie einer sparsamen Haushalts- und Personalpolitik. Mit der Umstrukturierung wurden flachere Hierarchien eingeführt, die Verwaltungskosten spürbar gesenkt und die Abläufe transparenter gestaltet.

Zusammen mit dem hessischen Landkreistag sorgte die Laureatin für die Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs gegen den drohenden Ärztemangel und zur Sicherstellung der ambulanten und wohnortnahen Versorgung auch in den ländlichen Regionen von Hessen. Eine stärkere Verzahnung von ambulanten und stationären Angeboten, die Weiterentwicklung der vertragsärztlichen Bedarfsplanung sowie die Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin standen dabei auf der Agenda. Zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung von Menschen in Altenpflegeheimen setzte Margita Bert auf neuartige Selektivverträge, um die Betreuungsqualität zu erhöhen und stationäre Behandlungen für die Heimbewohnerinnen und -bewohner möglichst zu vermeiden.

Mit dem Wechsel in das Hauptamt bei der KV Hessen beendete Margita Bert zwar ihre Praxistätigkeit, blieb aber noch bis 2008 Mitglied in der Delegiertenversammlung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen, deren Präsidium sie von 1988 bis 2004 angehörte. In Anerkennung ihrer hervorragenden Verdienste für die hessische Ärzteschaft wurde Margita Bert im Jahr 2000 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

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