Supplement: Perspektiven der Dermatologie

Neurodermitis: Badeöle ohne Wirkung

Dtsch Arztebl 2018; 115(20-21): [24]; DOI: 10.3238/PersDerma.2018.05.21.04

Meyer, Rüdiger

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Die Verwendung von Badezusätzen, zu denen die Leitlinien im Rahmen einer Basistherapie der atopischen Dermatitis (Neurodermitis) raten, hat sich in einer randomisierten Studie im Britischen Ärzteblatt (1) als weitgehend wirkungslos erwiesen.

Die atopische Dermatitis, an der ein Fünftel aller Kleinkinder leidet, ist gekennzeichnet durch eine Störung der epidermalen Barrierefunktion, die nicht nur auf die ekzematöse Haut beschränkt ist. Zu den Maßnahmen, die den Flüssigkeitsverlust begrenzen und damit eine Austrocknung der Haut verhindern sollen, gehören Emollenzien (Wasser-in-Öl- oder Öl-in-Wasser-Emulsionen), die dem Badewasser zugesetzt werden. Sie sollen während des Bades in die Haut einziehen und dort nach dem Bad die epidermale Barrierefunktion verbessern. Belege für die Wirksamkeit gibt es anders als bei Cremes und Seifen mit Emollenzien bisher nicht.

An 96 Allgemeinpraxen in England und Wales wurde in den letzten Jahren die erste größere randomisierte kontrollierte Studie zur Effektivität von Badezusätzen durchgeführt. 482 Kinder (244 Mädchen und 238 Jungen) im Alter von 1–11 Jahren, die an einer atopischen Dermatitis litten, wurden 2 Gruppen zugeteilt. Der ersten Gruppe verschrieben die Hausärzte für ein Jahr Badezusätze.

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Die Eltern hatten dabei die freie Wahl zwischen 3 populären Präparaten (mit unterschiedlicher Konzentration von Paraffin- oder Sojaöl). Der zweiten Gruppe wurde dagegen grundsätzlich von der Verwendung von Badezusätzen abgeraten. Andere Externa zur Pflege der Haut und rückfettende Seifen wurden in beiden Gruppen weiter verwendet. Auch Kortikoidexterna waren, soweit notwendig, erlaubt.

Primärer Endpunkt der Studie war die Veränderung der Haut nach 16 Wochen. Die Bewertung erfolgte mit dem krankheitsspezifischen Fragebogen POEM („Patient Oriented Eczema Measure). Er bewertet 7 Aspekte der Erkrankung mit 0–4 Punkten. Ein POEM-Score von 0–7 Punkten beschreibt eine milde Neurodermitis. Bei 8–16 Punkten liegt eine mäßig starke und bei 17–28 Punkten eine starke Neurodermitis vor.

Vor Studienbeginn hatte der POEM-Score in der Interventionsgruppe bei 9,5 Punkten und in der Kontrollgruppe bei 10,1 Punkten gelegen. Nach 16 Wochen war er auf 7,5 beziehungsweise 8,4 Punkte abgefallen. Unter Berücksichtigung der Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in ethnischer Herkunft, der topischen Anwendung von Kortikoiden und der Verwendung von rückfettenden Seifen ermittelten Miriam Santer von der Universität Southampton und Mitarbeiter einen Vorteil für die Interventionsgruppe von 0,41 Punkten, der mit einem 95-%-Konfidenzintervall von −0,27 bis 1,10 Punkten nicht signifikant war.

Auch in einigen sekundären Endpunkten wie der Zahl der Ekzemschübe, der Lebensqualität oder der Zahl der Verordnungen von topischen Steroiden oder topischen Calcineurinhemmern gab es keine signifikanten Unterschiede.

Die Subgruppenanalysen zeigten, dass Kinder im Alter unter 5 Jahren möglicherweise einen leichten Vorteil durch die Badezusätze haben (+1,29 Punkte; 0,33–2,25). Auch wenn die Kinder häufiger als 5-mal die Woche gebadet wurden, war ein leichter Vorteil erkennbar (+2,27; 0,63–3,91). Die Überzeugung der Eltern, dass Badezusätze helfen, steigerte den Nutzen ebenfalls ein wenig (+1,80; 0,04–3,56).

Insgesamt blieben die Vorteile jedoch unter der Schwelle einer klinischen Relevanz, die vor Beginn der Studie mit einem Anstieg des POEM-Scores um mindestens 3 Punkte festgelegt worden war.

Das Fazit von Santer fällt deshalb negativ aus. Angesichts der hohen Kosten – der National Health Service wendet jedes Jahr 23 Millionen Pfund für die Behandlung auf – und der Unannehmlichkeiten und Risiken – fettige Handtücher, rutschige Fliesen – könnte den Eltern nicht dazu geraten werden, Badezusätze zu verwenden.

Balneophototherapie auf Agenda

Nach einer rund 20-jährigen Historie steht die Balneophototherapie beim Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) wieder zur Bewertung an. Es geht darum, ob eine Version des Verfahrens auch zur Behandlung der Neurodermitis in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) aufgenommen werden soll. Hintergrund ist der Abschlussbericht eines Modellprojekts der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die synchrone Balneophototherapie besteht aus einer Kombinationsbehandlung von Wannenbädern in Solelösung mit Salz aus dem Toten Meer und gleichzeitiger („synchroner“) Lichtbestrahlung, die dem therapiewirksamen natürlichen Teil des Sonnenlichts nachempfunden ist. Seit 2008 wird diese Therapieform Patienten mit mittelschwerer und schwerer Psoriasis vulgaris erstattet.

DOI: 10.3238/PersDerma.2018.05.21.04

Rüdiger Meyer

1.
Santer M, Ridd MJ, Francis NA, et al.: Emollient bath additives for the treatment of childhood eczema (BATHE): multicentre pragmatic parallel group randomised controlled trial of clinical and cost effectiveness. BMJ 2018; 361: k1332 MEDLINE PubMed Central
1. Santer M, Ridd MJ, Francis NA, et al.: Emollient bath additives for the treatment of childhood eczema (BATHE): multicentre pragmatic parallel group randomised controlled trial of clinical and cost effectiveness. BMJ 2018; 361: k1332 MEDLINE PubMed Central

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