ArchivDeutsches Ärzteblatt20-21/2018Skabies: Schlechte Datenlage
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Leider ist die epidemiologische Datenlage schlecht. ... Bis Juli 2017 wurden nur Ausbrüche/Häufungen (also mehr als zwei in einem epidemiologischen Zusammenhang stehende Erkrankungen) in Gemeinschaftseinrichtungen gemeldet, mit der Novellierung muss nun jede Skabieserkrankung aus Gemeinschaftseinrichtungen gemeldet werden. Hier wäre eine Änderung in eine generelle Meldepflicht mehr als wünschenswert.

Problematisch ist in der Praxis, dass nur die Behandlung des Indexpatienten durch GKV-Leistungen abgedeckt ist. Dies steht in einem krassen Widerspruch zu den sinnvollen Empfehlungen des Ärzteratgebers des Robert Koch-Instituts (RKI). Eine Empfehlung, die ich in der schon wieder überarbeitungsbedürftigen AWMF, S1-Leitlinien 013–052, vermisse. Nach RKI-Empfehlung sollen auch ... alle engen Kontaktpersonen zwingend mitbehandelt werden. Die nicht unerheblichen Kosten der (noch) Nichterkrankten in Höhe von bis zu 50 – 60 € pro Person müssen dann jedoch von diesen erbracht werden. Werden, bei einer Inkubationszeit von teilweise mehreren Wochen, diese nicht sofort mit dem Indexpatienten behandelt, zieht sich ein Pingpongeffekt manchmal über viele Wochen, ja Monate hin.

Was vielen nicht bekannt ist, ist, dass die Möglichkeit besteht die Kosten der Behandlung von engen nicht erkrankten Bezugspersonen über den Infektionsschutzfond der Gesundheitsämter/Länder abzurechnen. Allerdings gibt es hier landes- und kreisspezifisch große Unterschiede. ...

Anzeige

Hier wäre entweder eine bundeseinheitliche Regelung oder besser die Deckung der Behandlungskosten nach RKI-Richtlinien über die Kassen dringend notwendig. Leider dringt die Problematik erst langsam zu den GKVen durch.

... Der Vorschlag ..., speziell geschulte Fachkräfte der Gesundheitsämter in die Behandlung mit einzubeziehen, ist interessant. Dazu sei gesagt, dass in den unteren Gesundheitsbehörden solche Fachkräfte in Form der Mitarbeiter des Infektionsschutzes vorhanden sind und schon jetzt, nach meiner Erfahrung, je nach Behördenstruktur, insbesondere in Kooperation mit Jugendämtern, vor Ort sind. Flächendeckend wird dies jedoch bei der prekären Personalausstattung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ein seliger Wunsch bleiben. Besser wäre es doch, in den Praxen eine entsprechende Belehrung vorzunehmen und diese entsprechend zu vergüten.

Trotz einer Zunahme an Behandlungsbedürftigen kann die Annahme, es entstünden derzeit Resistenzen, von unserer Seite nicht geteilt werden. ... Leider ist auch hierzu die Datenlage schlecht. ... Viel eher sind Rezidive auf „Pflegeanwendungsfehler“ insbesondere der Salben und Lotionen und mangelnde Durchsetzung der Wäschehygiene und Pingpongeffekte zurückzuführen. Somit war die Einführung eines oralen Therapeutikums ein Segen. Insbesondere für ältere, bettlägerige oder multimorbide Patienten, deren Haut durch die topischen Anwendungen oft stark in Mitleidenschaft gezogen wird. ... Insofern ist eine korrekte und ausführliche Aufklärung der Betroffenen dringend vonnöten. Auch die ... empfohlene akribische Nachuntersuchung kann ich nur unterstützen. ... Fraglich ist, ob sich dafür in den ohnehin schon stark frequentierten Facharztpraxen die nötige Zeit findet.

Last, but not least sei darauf hingewiesen, dass der teilweise starke Juckreiz noch Wochen nach einer Behandlung anhalten kann. Insbesondere Teenager scheinen darunter sehr zu leiden. Grundsätzlich muss gesagt werden, dass nach einer korrekt durchgeführten Behandlung und Hygiene die Betroffenen nach 24 Stunden wieder infektionsfrei Gemeinschaftseinrichtungen besuchen können. Oft genug erleben wir aber, teilweise aus Unkenntnis, stark überzogene Reaktionen mit tagelanger Isolation, Schulabstinenz und Krankschreibungen. ...

Zusammenfassend sehe ich folgende gemeinsame Aufgaben:

1. Änderung der Meldepflicht (Einzelmeldung) zur Verbesserung der epidemiologischen Datenlage.

2. Abrechenbarkeit der Behandlung enger nicht erkrankter Angehöriger nach RKIRichtlinien über GKV-Leistungen.

3. Ggf. Vergütung von Pflegeanleitung und Aufklärung.

MD Christian Schulze, Amtsarzt, 16515 Oranienburg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige