ArchivDeutsches Ärzteblatt20-21/2018Skabies: Verlässliche Angaben
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... Resistenzen gegen das in der Leitlinie primär empfohlene Antiscabiosum Permethrin sind bisher selten berichtet, aber auch schwierig nachzuweisen. Studien und klinische Erfahrung zeigen, dass ein Nichtansprechen auf leitliniengerechte Therapien oder Rezidive der Skabies häufig auf eine unzureichende Identifikation und Sanierung von Kontaktpersonen, aber auch auf Fehler bei der Lo-kaltherapie zurückzuführen ist. Der Anregung, Patienten bei der Durchführung der Therapie und den Umfeldmaßnahmen durch geeignete Fachkräfte zu unterstützen, ist daher aus Sicht der dermatologischen Infektiologie zuzustimmen.

Die Einschätzung der epidemiologischen Situation bei der Skabies ist schwierig. Mit der Novellierung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) 2017 wurde die Meldepflicht nach § 33 IfSG für Skabies zwar auch auf Skabiesfälle oder Verdachtsfälle erweitert. Diese Meldepflicht gilt aber nur für Einrichtungen, in denen überwiegend Säuglinge, Kinder oder Jugendliche betreut werden, sowie voll- und teilstationäre Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung älterer, behinderter oder pflegebedürftiger Menschen (ausgenommen Krankenhäuser), Obdachlosenunterkünfte, Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerbern, vollziehbar Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern, sonstige Massenunterkünfte und Justizvollzugsanstalten.

Wenn eine Skabies bei Versicherten auftritt, die im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt sind, kann sie eine Berufskrankheit (BKV Nr. 3101) darstellen und ist bei begründetem Verdacht nach § 202 SGB VII meldepflichtig.

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Eine generelle Meldepflicht oder zumindest systematische Sentinel-Untersuchungen könnten aus dermatoepidemiologischer Sicht jedoch geeignet sein, um bei Ausbrüchen früher und gezielter eingreifen zu können.

Unabhängig davon haben die Autoren der Leitlinie einen Arbeitskreis mit weiteren Dermatologen/-innen und Mikrobiologen gebildet, der sich zurzeit darum bemüht, verlässliche Angaben zu der zumindest regional gestiegenen Inzidenz zu erhalten und Hinweise zu sammeln, inwieweit vermeintlich persistierende Skabiesinfestationen auf eine Unempfindlichkeit auf Permethrin, auf Behandlungsfehler oder Reinfestationen zurückgehen.

Prof. Dr. med. Peter Elsner, 07743 Jena,
Prof. Dr. med. Cord Sunderkötter, 06097 Halle

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