ArchivDeutsches Ärzteblatt20-21/2018Überversorgung: Was „zu viel“ ist

MEDIZINREPORT

Überversorgung: Was „zu viel“ ist

Dtsch Arztebl 2018; 115(20-21): A-1005 / B-849 / C-849

Zylka-Menhorn, Vera

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Medizinische Maßnahmen, die als unangemessen erachtet werden, nehmen weiter zu.

Überversorgung ist aus verschiedenen Gründen ein bekanntes Problem im medizinischen Alltag. Dies belegt erneut eine strukturierte Überprüfung von englischsprachigen Artikeln über PubMed, die 2016 veröffentlicht wurden. Die Studie berücksichtigte 2 252 Artikel, von denen 1 224 die medizinische Überversorgung adressierten. Von diesen wiederum wurden 122 aufgrund der methodischen Qualität und der Anzahl der potenziell betroffenen Patienten als besonders relevant erachtet.

Als Überversorgung respektive fehlenden Nutzen identifizierten die Autoren die transösophageale Echokardiografie bei kryptogenem Schlaganfall, den verstärkten Einsatz der Computertomografie in der Notaufnahme von 2,2 % auf 9,4 % im Zeitraum von 2001 bis 2010 sowie die Durchführung einer Carotis-Sonografie und Revaskularisierung. Zu den Maßnahmen, bei denen Nachteile die Vorteile für den Patienten überwiegen, gehören die Therapie des Prostatakarzinoms im Frühstadium (bietet keinen Mortalitätsvorteil, aber erhöht das absolute Risiko für erektile Dysfunktion um 10–30 %), die Gabe von Sauerstoff für Patienten mit moderater chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), die Chirurgie des Meniskusrisses bei mechanischen Symptomen und die PEG-Sondenernährung bei stationären Patienten mit Mangelernährung.

Zur Verringerung der Überversorgung empfehlen die Autoren 2 Methoden: Kliniker-Audits und Feedback für den Einsatz von Antibiotika und einen Algorithmus zur Entscheidungsfindung bei (risikoarmen) Brustschmerzen. zyl

Morgan DJ, Dhruva SS, Coon ER,et al.: 2017 Update on Medical Overuse: A Systematic Review. JAMA Intern Med. 2018; 178 (1): 110–5. doi:10.1001/jamainternmed.2017.4361

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