ArchivDeutsches Ärzteblatt20-21/2018Interessenwahrnehmungen: Veröffentlichung beschlossen

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Interessenwahrnehmungen: Veröffentlichung beschlossen

Dtsch Arztebl 2018; 115(20-21): A-990 / B-835 / C-834

Osterloh, Falk

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer und die Delegierten des Deutschen Ärztetages veröffentlichen künftig ihre berufspolitischen Interessenwahrnehmungen. Dazu gehören auch Mitgliedschaften in Organisationen, die unmittelbar im Zusammenhang mit ihrem Amt stehen.

Künftig veröffentlichen die Mitglieder des Vorstands der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) sowie die Abgeordneten des Deutschen Ärztetags freiwillig ihre berufspolitischen Interessenwahrnehmungen auf der Internetseite der BÄK. Das hat der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt mit großer Mehrheit beschlossen. Dabei werden neben dem Namen, der Lan­des­ärz­te­kam­mer (LÄK), dem Tätigkeitsbereich, dem Fachgebiet und den Funktionen in LÄK und BÄK auch die Mitgliedschaften in Organisationen offengelegt, die unmittelbar im Zusammenhang mit dem jeweiligen Amt und/oder mit der ärztlichen Tätigkeit stehen.

Anzeige

„Die berufsrechtlichen Grenzen unternehmerischer Betätigung beziehungsweise Beteiligung an Unternehmen als Arzt sind zu beachten“, heißt es in dem Beschluss. Insbesondere soll die Unabhängigkeit des gewählten Amtes bei vertraglichen und sonstigen beruflichen Beziehungen zu Dritten gewahrt werden. Die Mitglieder des BÄK-Vorstands haben ihre Interessenwahrnehmungen bereits veröffentlicht.

Zuvor hatten die Delegierten darüber diskutiert, ob sie den Begriff Interessenwahrnehmung oder den Begriff Interessenkonflikt verwenden wollen. Gebräuchlich ist im Gesundheitswesen eher der Begriff Interessenkonflikt, zum Beispiel wenn Ärzte für Vorträge auf von Pharmaunternehmen organisierten Kongressen Honorare erhalten.

„Beide Begriffe bezeichnen zwei Seiten der gleichen Medaille“, sagte die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Dr. med. Martina Wenker. Sie sprach sich dafür aus, den Begriff Interessenwahrnehmung zu verwenden. „Wir müssen unsere Interessenwahrnehmungen veröffentlichen. Ob wir dabei konfliktiv sind, vielleicht auch nur in einer bestimmten Fragestellung, das dürfen wir gar nicht selbst entscheiden“, sagte sie.

„Unsere Tätigkeit besteht darin, Interessen wahrzunehmen“, betonte der Präsident der Sächsischen Ärztekammer, Erik Bodendieck. „Das ist völlig normal. Nur deshalb sind wir so inhomogen, wie wir sind, und können miteinander diskutieren.“ Es gehöre allerdings zur Demokratie, dass man sage, wessen Interessen man wahrnehme.

Die Delegierten diskutierten auch darüber, ob die Offenlegung der berufspolitischen Interessen freiwillig oder verpflichtend geschehen soll. Dr. med. Eva Müller-Dannecker von der Ärztekammer Berlin sprach sich für eine verpflichtende Lösung aus. „Wir Ärzte haben nichts zu verbergen. Wir können alles transparent machen und dazu stehen“, sagte sie. Die Ärzte hätten innerhalb der Gesellschaft eine Vorbildfunktion. Deshalb dürfe die Veröffentlichung der Interessenwahrnehmungen nicht auf freiwilliger Basis erfolgen.

Dr. med. Tilman Kaethner von der Ärztekammer Niedersachsen meinte hingegen, gerade die Freiwilligkeit runde das Bild ab, dass die Ärzteschaft bereit dazu sei, Informationen über sich zu veröffentlichen. Auch Martina Wenker sprach sich gegen eine Pflicht zur Veröffentlichung der Interessenwahrnehmungen sowie gegen eine Sanktionierung derjenigen aus, die sie nicht veröffentlichen.

Dr. med. Wolf Andreas Fach, Delegierter aus Hessen, meinte: „Ich denke, wir sollten drei Jahre beobachten, ob die freiwillige Regelung gelebt wird.“ Ein Antrag, der eine verpflichtende Angabe der Interessenwahrnehmungen forderte, wurde von den Delegierten mehrheitlich abgelehnt. Falk Osterloh

Fazit

TOP Ib: Veröffentlichung von Interessenwahrnehmungen

  • Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer und die Delegierten des Ärztetages veröffentlichen ihre Interessenwahrnehmungen.
  • Dazu gehören auch die Mitgliedschaften in Organisationen, die im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit stehen.
  • Die Veröffentlichung der Interessenwahrnehmungen ist freiwillig.

Die Entschließungen zu TOP Ib im Internet: www.aerzteblatt.de/2018top1b
Das gesamte Beschlussprotokoll im Internet: http://daebl.de/NA53

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema