ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2018Rechtsreport: Wahl der Behandlungsmethode liegt im Ermessen des Arztes

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Rechtsreport: Wahl der Behandlungsmethode liegt im Ermessen des Arztes

Berner, Barbara

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Ärztinnen und Ärzte dürfen zur Abklärung eines unklaren Herdbefundes in der Brust einer Patientin zu einer Exzision mittels einer offenen Biopsie raten, obwohl eine Stanzbiopsie ebenfalls in Betracht kommen würde. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Hamm entschieden.

Im vorliegenden Fall hatte sich eine Patientin wegen eines unklaren Herdbefundes in ihrer linken Brust im Krankenhaus einer offenen Biopsie unterzogen. Im Jahr darauf zeigte sich erneut ein Herdbefund, der dieses Mal mithilfe einer Stanzbiopsie abgeklärt wurde, bei der ein regressiv verändertes Papillom diagnostiziert wurde. Im Anschluss an die Behandlung kam es bei der Patientin zu einer Entzündung und zu erheblichen Wundheilungsstörungen. Infolgedessen gelangte die Frau zu der Ansicht, ihre Ärztin habe sie im Rahmen der ersten Abklärung mittels offener Biopsie fehlerhaft behandelt. Die offene Biopsie sei kontraindiziert gewesen. Außerdem habe die Ärztin sie nicht über die alternative Möglichkeit aufgeklärt, den Befund mithilfe einer Stanzbiopsie erheben zu können. Die Folgebehandlungen seien erst aufgrund der fehlerhaften Erstbehandlung notwendig geworden. Die Patientin verlangte deshalb von dem Krankenhaus und der dort beschäftigten Ärztin, die beim ersten Mal die offene Biopsie vorgenommen hatte, Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Die Richter am Oberlandesgericht vertraten dagegen die Auffassung, dass im vorliegenden Fall kein schadensursächlicher Behandlungsfehler vorliege. Die von der Ärztin gewählte Methode der offenen Biopsie sei angesichts der Größe des Tastbefunds medizinisch vertretbar gewesen und habe die größere diagnostische Sicherheit gegeben. Es sei zudem kein vorwerfbarer Fehler, dass die Ärztin im Rahmen des Eingriffs den kleinen gutartigen Befund operativ verfehlt habe. Das komme trotz größtmöglicher Sorgfalt in fünf Prozent der Fälle vor, argumentierten die Richter.

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Auch die Aufklärung der Patientin sei ausreichend erfolgt. In ihrem Fall habe es sich um einen Grenzbereich der Medizin gehandelt, bei dem die Auswahl der Behandlungsmethode allein in das Ermessen des Arztes gestellt sei. Nach der persönlichen Anhörung der Klägerin und der Ärztin ist das Gericht zu der Überzeugung gelangt, dass der Patientin die Möglichkeit einer Stanzbiopsie bewusst gewesen und sie im Wissen um diese Alternative dem ärztlichen Rat gefolgt sei.

OLG Hamm, Urteil vom 9. Januar 2018, Az.: 26 U 21/17 RAin Barbara Berner

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