ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2018Sport in der Schwangerschaft: Laufen hat keinen negativen Einfluss auf Geburtstermin und Gewicht des Kindes

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sport in der Schwangerschaft: Laufen hat keinen negativen Einfluss auf Geburtstermin und Gewicht des Kindes

Dtsch Arztebl 2018; 115(22): A-1061 / B-892 / C-888

Gerste, Ronald D.

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Foto: eyeQ/stock.adobe.com
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Laufsport gehört für viele Frauen zu einer gesunden Lebensführung. Frühere Studiendaten hatten ergeben, dass Sport auch in der Schwangerschaft gesundheitsfördernd ist. Er beugt einer Schwangerschaftsgewichtszunahme (gestational weight gain, GWG) vor, die als Risikofaktor für einen Diabetes mellitus, für Hypertonie und Präeklampsie gilt. Wenig untersucht ist bislang, ob mehr oder weniger intensives Jogging nachteilige Effekte auf den Fötus hat, zum Beispiel aufgrund der relativ großen Kraftübertragung auf das Becken durch die Laufintensität. Auch könnte die Blutversorgung des Fötus durch Ausdauersport in Mitleidenschaft gezogen werden.

Eine britische Studiengruppe hat jetzt untersucht, ob es Auswirkungen auf das Gestationsalter des Kindes bei der Geburt oder auf das Geburtsgewicht hat, wenn Frauen auch während der Schwangerschaft laufen. Ausgewertet wurden die Daten von 1 293 Frauen, die regelmäßig an Veranstaltungen der Organisation parkrun.org teilnahmen und erstmals schwanger waren.

579 Frauen (44 %) unterbrachen das Joggen während der Schwangerschaft. 188 Frauen (15 %) beendeten das Joggen während des 1. Trimesters, 318 Frauen (25 %) liefen noch im 2. und hörten im 3. Trimester auf zu laufen und 208 Frauen (16 %) joggten noch im 3. Trimester. Unter den demografischen Daten fielen die höheren Raten an Übergewicht (BMI 25–29,9) bei nicht laufenden Frauen auf (27 % vs. 15,4 % bei joggenden) und ein höherer Anteil adipöser Frauen (BMI ≥ 30: 6 % vs. 2,6 %).

Es gab keine Unterschiede im Gestationsalter bei Geburt: Im Durchschnitt 279 Tage bei Frauen, die nicht mehr gelaufen sind, und 279,6 Tage bei Läuferinnen (95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [–1,3; 2,4 Tage]; p = 0,55). Das Geburtsgewicht der Kinder unterschied sich nicht signifikant (Geburtsgewichtszentile 46,9 % vs. 44,9 %; [–1,3 %; –5,3%], p = 0,22). Auch konnten die Forscher keinen Zusammenhang zwischen der Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt und der Laufgewohnheit feststellen. Nur in einem Punkt schienen die Läuferinnen von den physisch weniger aktiven Frauen abzuweichen: Für eine assistierte vaginale Entbindung mithilfe einer Zange oder eines Vakuumgeräts wurde eine Odds Ratio von 1,32 für die Läuferinnen errechnet.

Fazit: „Lauftraining während der Schwangerschaft stellt keine Gefahr für den Fötus dar“, erläutert Prof. Dr. med. Wilhelm Bloch von der Abteilung für Molekulare und zelluläre Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. „Wenn man Geburtsgewicht und Entbindungszeitpunkt zugrunde legt, ist das eine wichtige Erkenntnis. Sie sollte unter Berücksichtigung der beschriebenen positiven Effekte von körperlicher Aktivität während der Schwangerschaft in die Empfehlungen für das Aktivitätsverhalten von Schwangeren eingehen. Wegen des möglichen Einflusses von Lauftraining auf die Beckenbodenmuskulatur sollte vor der Entbindung nach Lauftraining während der Schwangerschaft gefragt werden.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Kuhrt K, Harmon M, Hezelgrave N, et al.: Is recreational running associated with earlier delivery and lower birth weight in women who continue to run during pregnancy? An international retrospective cohort study of running habits of 1293 female runners during pregnancy. BMJ Open Sport Exerc Med 2018; doi:10.1136/bmjsem-2017– 000296.

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