ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2018Medizinisches Cannabis: Kein pflanzliches Wundermittel

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Medizinisches Cannabis: Kein pflanzliches Wundermittel

Dtsch Arztebl 2018; 115(22): A-1044 / B-879 / C-875

Bühring, Petra

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Die Techniker Krankenkasse stellte mit dem Cannabis-Report eine weitere Untersuchung vor, die die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis für ein breites Indikationsspektrum infrage stellt. Dringend erforderlich ist mehr wissenschaftliche Forschung, denn die Zahl der Anträge steigt.

Foto: Adam/stock.adobe.com
Foto: Adam/stock.adobe.com

Medizinisches Cannabis ist nur selten eine Alternative zu den bewährten Therapien, kann aber Patienten im Einzelfall helfen. Das ist eines der Ergebnisse des „Cannabis-Reports“, den die Techniker Krankenkasse (TK) bei dem Arzneimittelexperten Prof Dr. rer. nat. Gerd Glaeske, Universität Bremen, in Auftrag gegeben hat. „Es gibt nur wenige Studien, die eine Behandlung mit Cannabis wissenschaftlich begründen können – es ist kein pflanzliches Wundermittel und für viele Indikationen gibt es bereits bewährte Arzneimittel“, erklärte Glaeske. Für „denkbar“ hält er aufgrund der ausgewerteten Studien eine Wirksamkeit von Cannabis bei chronischem Schmerz, Spasmen bei Multipler Sklerose, Epilepsien, zur Appetitsteigerung bei HIV/AIDS und bei chemotherapieinduzierter Übelkeit. Für ein breiteres Indikationsspektrum gebe es indes kaum oder gar keine Evidenz.

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Ärzte und Ärztinnen aller Fachgebiete können seit einer Gesetzesänderung vom 10. März 2017 Patienten mit „schwerwiegenden Erkrankungen“, Cannabis zulasten der GKV verordnen. Im November 2017 kam eine Meta-Analyse (CaPRis) von Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Eva Hoch, München, bereits zu der Erkenntnis, dass bei vielen Krankheitsbildern keine Aussagen zu Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von medizinischem Cannabis getroffen werden könnten. Es brauche mehr hochwertige Studien (DÄ 49/2017).

Dieser Forderung schloss sich Glaeske an: „Wir brauchen eine vernünftige Versorgungsforschung, die von den Fachgesellschaften ausgehen sollte und nicht von der Industrie“. Die vorgeschriebene Begleiterhebung, zu der jeder verordnende Arzt verpflichtet ist, sei bei Weitem nicht ausreichend.

Großer Interpretationsspielraum

Zusammen mit dem TK-Vorstandsvorsitzenden Dr. Jens Baas stellte er die Frage, warum der Wirkstoff Cannabis vor Inkrafttreten des Gesetzes „nicht das System aus Zulassung, früher Nutzenbewertung und Preisverhandlung, wie es normalerweise für neue Arzneimittel gilt“, durchlaufen habe. Stattdessen erhielten die Krankenkassen einen Genehmigungsvorbehalt, der recht unklar definiert sei. Zudem sei der Begriff der „schwerwiegenden Erkrankung“ im Gesetz nicht ausreichend definiert und lasse einen zu großen Interpretationsspielraum bei Entscheidungen des MDK zu. Entsprechend häufig werden Anträge von Patienten auf Erstattung von Cannabis abgelehnt: Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands von März gab es bislang rund 12 000 Anträge auf eine Cannabis-Therapie, davon wurden nur rund 6 800 genehmigt. Bei der TK gab es in 2017 rund 2 900 Anträge, heißt es in dem Cannabis-Report – „bei zunehmender Tendenz“, wie Baas berichtete. 67 Prozent davon wurden genehmigt. Bei den meisten Ablehnungen (64 Prozent) verwies der MDK auf alternative Therapieoptionen. Die Behandlung von Schmerzen war mit 61 Prozent der häufigste Grund für einen Antrag.

Bei der TK wurden 68 Prozent der Anträge auf Erstattung von dronabinolhaltigen Rezepturarzneimitteln gestellt; 32 Prozent auf die Erstattung von Cannabisblüten. „Wir sehen klare Vorteile bei der Verordnung von Dronabinol“, sagte Glaeske. Denn dessen Wirkstoffgehalt sei nicht so starken Schwankungen unterworfen, wie der von Blüten. Hinzu komme die Wirtschaftlichkeit: Cannabisblüten seien deutlich teurer als Dronabinol.

Die Mehrheit der Cannabis-verordnenden Ärzte sind dem TK-Report zufolge Neurologen, Psychiater und ärztliche Psychotherapeuten (39 Prozent), gefolgt von Hausärzten und Internisten (33 Prozent). Am häufigsten wurde Cannabis als Medizin TK-Versicherten im Saarland, in Bayern und Baden-Württemberg verordnet; am seltensten in den ostdeutschen Bundesländern. Patienten zwischen 40 und 60 Jahren stellten die meisten Anträge.

„Cannabinoide sind keine Alternative zu bewährten Medikamenten in der Schmerzmedizin“, erklärte aus der Versorgungspraxis Prof. Dr. med. Michael Schäfer, Berlin. Sie seien aber eine mögliche Indikation für einen individuellen Therapieversuch bei Therapieversagen nach medizinischem Standard. Cannabis beziehungsweise alle Medikamente könnten bei Schmerzpatienten jedoch immer nur ein Element einer interdisziplinären multimodalen Therapie sein, betonte Schäfer. Petra Bühring

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Avatar #725920
Syntaxie
am Dienstag, 5. Juni 2018, 16:04

Darm­er­krank­ungen, Depressionen

Die Behauptung:>>
Keine Wirksamkeit für Cannabis liegt bei den Indikationen Depressionen,
Psychosen, Demenz, Glaukom und Darm­er­krank­ungen vor (siehe Abbildung
1)<<

Wer als Arzt so naiv ist und SativEx gegen Morbus Crohn verschreibt, wo das THCa fehlt und auch die weiteren nicht erwähnten Inhaltsstoffe ganzer Blüten irgnoriert, also nicht vorhanden sind, kann selbstverständlich nur von fehlgeschlagenem Versuch reden.

Depressionen:

Wenn die Rede von Orangensaft ist, faselt man auch nicht von Dihydrogenmonoxyd (H²O) , sondern berücksichtigt auch Aromastoffe.

Limonene: http://30c1be84fhhqj3xa1lmshckme.wpengine.netdna-cdn.com/wp-content/uploads/2016/02/jXSS0pS1Sw2p2eq176GL_Leafly-Cannabis-Terpene-Wheel-Infographic.png

Und als Bildchen anklickbar neben "Syntaxie" gibt's die Cannabinoide auch bei Depressionen in der Grafik zu sehen - Und - was schließt der Aufmerksame Leser daraus - SativEx und Dronabinol sind nicht Cannabis, sondern halbgarer und teurer Unfug !

Die quantitative Wissenschaft ist leider einfach nur qualitativ minderwertig !
Avatar #725920
Syntaxie
am Dienstag, 5. Juni 2018, 15:11

Kartellmachenschaften ?!

Da: >>Die unterschiedlichen THC- und CBD-Gehaltswerte, die in
Tabelle 1 aufgelistet sind, machen deutlich, wie notwendig eine
verbindliche Standardisierung bei der Abgabe in der Apotheke ist. Beim
derzeitigen Stand der Produktqualität und der Dosisstandardisierung von
industriell hergestellten Arzneimitteln ist eine Behandlung mit
Cannabisblüten aus unserer Sicht ein Anachronismus, der nicht mehr zum
heute möglichen technologischen Stand einer kalkulierbar dosierten
Arzneimitteltherapie passt. Bei einer Verordnung muss daher auf alle Fälle
die Sorte oder der therapeutisch gewünschte Gehalt an THC und CBD in
Prozent spezifiziert sein – eine Verordnung von Cannabis oder
Cannabisblüten gilt daher nicht als ausreichend. <<

spricht wohl das Dronabinol-SativEx-Kartell, welches selbstverständlich alles was unter Entourage-Effekt schon längst bekannt ist, unterschlagen möchte.
Einige der Aspekte des Entourage-Effektes zusammengefasst:
https://hanfjournal.de/forum/thema/schnauze-voll-von-prohibitionisten/

Und da das Kraut auch aphrodisierend wirken kann,
wäre das:
>>Cannabinoide können auch auf männliche und weibliche Geschlechts-
hormone wirken, die klinische Relevanz bei einer therapeutischen
Anwendung mit der dort üblichen Dosis ist allerdings als eher gering zu
bewerten. Bei Frauen wurden in Einzelfällen Zyklen ohne Eisprung, bei
Männern eine Beeinträchtigung der Spermienbildung beschrieben. <<
doch auch ein nützlicher Effekt, um der Überbevölkerung entgegen zu wirken.

Die Unterschlagung der Kombinationseffekte im ganzen Bericht wird ausgeschlachtet zur unterschwellig wirkenden Negativdarstellung.

Auch wird weiterhin suggeriert, daß es sich um gefährliches BtM handeln würde.
Z.B. so:
>>Zu den häufigsten Nebenwirkungen von THC und medizinischem Cannabis auf Basis von THC gehören Sedierung <<
Es ist eine anregende Substanz, ein WEICHE Droge, die dem selbstregulierenden System -HIRN- die Chance läßt, bei MEHR ALS GENUG Anregung auch etwas entgegen zu setzen.
Bei mehr als genug Nahrungsaufnahme -essen- kann auch Sedierung das Resultat sein.

Zwar relativ abgemildert, aber doch wie immer die "tautologische Dunstwolke Schizophrenie" und das dumme Schimpfwort Halluzinationen.
Entmystifiziert und klargestellt hinter obigem link
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