ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2018Barrierefreiheit: Zehntausende Arztpraxen nicht barrierefrei

AKTUELL

Barrierefreiheit: Zehntausende Arztpraxen nicht barrierefrei

Dtsch Arztebl 2018; 115(22): A-1034

dpa

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Großteil der rund 100 000 Arztpraxen in Deutschland ist nicht ohne Stufen oder Treppen zu erreichen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Demnach verfügt nur gut jede dritte Praxis (34,4 Prozent) über mindestens ein Merkmal der Barrierefreiheit. Solche Merkmale sind etwa ein barrierefreier Zugang, barrierefreie Räumlichkeiten oder auch ein Leitsystem für Menschen mit Sehbehinderung. Bei Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sei der Anteil der barrierefreien Einrichtungen mit 45,9 Prozent unter anderem aufgrund einer meist moderneren Bausubstanz deutlich höher. Die Regierung beruft sich bei ihren Angaben auf die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Die Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte, nannte es „überaus bedauerlich“, dass in nur so wenigen Arztpraxen Patienten mit Beeinträchtigungen behandelt werden könnten. Sie forderte die Bundesregierung auf, deutlich mehr für die Barrierefreiheit von Arztpraxen zu tun. Hier müsse es auch darum gehen, Geld zur Verfügung zu stellen und die Ärzte zu unterstützen. Auch die KBV sieht es als Aufgabe an, dass Menschen mit Handicap Zugang zu den Praxen hätten, wie ein KBV-Sprecher sagte. „Bei Neubauten gelten strengere Vorschriften entsprechend dem aktuellen Baurecht“, erläuterte er. Ältere Praxen barrierefrei zu machen, sei teilweise allerdings mit hohen Kosten verbunden. Dem einzelnen Arzt seien die nötigen Investitionen oft nicht zuzumuten. Die KBV rege daher entsprechende Programme der Staatsbank KfW oder anderer Förderbanken an. Ähnlich äußerte sich der Sozialverband VdK. Er schlug ein KfW-Förderprogramm im Umfang von 80 Millionen Euro zum barrierefreien Umbau von Arztpraxen vor. Die Kassen sehen auch die Ärzte in der Pflicht. Diese müssten von Kranken gut zu erreichen sein, sagte ein Sprecher. dpa

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema